Pressemitteilung
Die Aktion "Wir sind Kirche", die vor 3 Jahren das "Kirchenvolksbegehren"
betrieb, hat nun einen sogenannten "Herdenbrief" verfaßt, der sich gegen das
Hirtenwort von Bischof Dr. Walter Kasper "Die Feier der Eucharistie" richtet.
Als engagierte Laien und Priester in der Diözese Rottenburg können wir
diesen "Herdenbrief" nicht unwidersprochen stehen lassen:
- Schon der Name "Herdenbrief" ist irreführend und eine Anmaßung.
Der Brief gibt keineswegs die Meinung der "Herde", also des Gottesvolks
wieder. Vielmehr ist daran zu erinnern: Das sogenannte
"Kirchenvolksbegehren", dessen Forderungen hier aufgewärmt werden, wurde
von nicht einmal 5 Prozent der Katholiken unterschrieben!
- Der "Herdenbrief" spaltet, was zusammengehört:
"Herde"(= Gläubige) und "Hirten"(= Bischof und Priester),
"Rom" und "Rottenburg", Pfarrer und Gemeinden.
Den meisten Katholiken steht der Papst weitaus näher als die Wort-
führer/innen des Kirchenvolksbegehrens.
- Wie schon das Kirchenvolksbegehren reibt sich der "Herdenbrief" an allem,
was spezifisch katholisch ist (Zölibat, Weihepriestertum, Papst, Katholische
Liturgie...).
Die Argumente des Bischofs werden überhaupt nicht aufgegriffen.
Vielmehr werden gebetsmühlenartig die altbekannten Forderungen wiederholt.
Dies bedeutet keinen "offenen Dialog", wie ihn der "Herdenbrief" wünscht,
sondern einen Monolog.
Es ist wahr: Die Kirche macht - besonders durch den Priestermangel, aber
auch durch den allgemeinen Glaubensschwund - eine schwere Zeit durch.
Die hier vorgeschlagenen Rezepte würden die Krise aber noch verschärfen.
- Die für das Jahr 2001 geplante Umstrukturierung der Gemeinden zu größeren
"Seelsorgeeinheiten" will dafür sorgen, daß allen Gläubigen die Möglichkeit
zum Besuch der Sonntagsmesse im Umkreis ihres Wohnorts sichergestellt wird.
Es kann aber nicht der Sinn der Maßnahme sein, mit der Propagierung eines
irrtümlichen und im Kern unkatholischen Gemeindeverständnisses die Gläubigen
mit Wortgottesdiensten an ihren Wohnort zu binden, wenn in zumutbarer
Entfernung eine hl. Messe angeboten wird. Wortgottesdienste sind kein
äquivalenter Ersatz für den Besuch der hl. Messe: Die schon weit
verbreitete Praxis, nicht mehr voranzukündigen, ob eine hl. Messe oder ein
Wortgottesdienst stattfindet, verunsichert und verärgert die Gläubigen und
ist aufs schärfste zu mißbilligen
- Nach unserer Erfahrung hat die überwiegende Mehrheit der Gläubigen genug
von der ständigen Selbstzerfleischung der Kirche.
Einigkeit im Glauben und Freude am Katholischsein wäre in einer Zeit fort-
schreitender Entchristlichung das Gebot der Stunde.
"Herdenbriefe", "Volksbegehren", Resolutionen erreichen nur eines:
Frustration auf allen Seiten und weitere Entleerung der Kirchenbänke.
Das Statement wurde verfaßt und versandt von: AUFBRUCH 2000 e.V.
Forum katholischer Laien und Priester in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
(Tübingen, am 25. März 1999)
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