PREDIGTEN IM JAHRESKREIS:

Christkönigssonntag

(Lesejahr C) Lk 23,35-43

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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DIE ENTSCHEIDENDE ALTERNATIVE:
JA ODER NEIN ZU CHRISTUS

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr, der Christkönigssonntag, stellt uns das Kreuz auf Golgota vor Augen: In der Mitte Christus, links und rechts von ihm die beiden Schächer. So stirbt der König der Welt: zwischen zwei Verbrechern. Er stirbt nicht zwischen einem Räuber und einem ehrenhaften Bürger, sondern zwischen zwei Räubern.

Das hat nun auch eine symbolische Bedeutung. Die beiden Schächer stehen nicht nur für sich - sondern sie repräsentieren die gesamte Menschheitsfamilie - sie stehen für die gesamte verlorene und in Sünde und Tod gefangene Menschheit. Der Theologe Heinrich Spaemann schreibt:

"Diese beiden Räuber sind wir. Was in ihnen an den Galgen genagelt ist, steckt im Kern jedes Egoisten, verdeckt meist nur durch Zivilisation und Konvention und durch Selbsttäuschung oder auch durch Feigheit. Alle Spielarten des Egoismus sind Raub an der Liebe, Raub an Gott und am Mitmenschen. Nicht erst, wenn ich einem anderen wegnehme, was ihm gehört, sondern schon, wenn ich schlechthin festhalte, für mich behalte, was ich mit ihm teilen sollte - etwas wenn ich es mir mit dem Rücken gegen den armen Lazarus vor der Tür gut schmecken lasse, begehe ich Raub, verrate ich die Liebe. Von den meisten Zeitgenossen unterscheiden sich die beiden Schächer nur dadurch, daß sie die Grausamkeit der Welt an ihrem eigenen Leib durchzuleiden haben."

Wir sagen: Christus ist für die Sünder gestorben. Und am Kreuz von Golgota zeigt sich das nun ganz konkret und plastisch, für wen er gestorben ist und sein Blut vergossen hat: für die Glieder einer sündigen und dem Tod geweihten Menschheit. - Nun gibt es allerdings einen bedeutsamen Unterschied zwischen dem Sünder zur Rechten und zur Linken des Herrn.

Für den einen geht es - trotz seiner Schuld - am Ende gut aus, für den anderen nicht. Der Schächer zur Rechten Jesu darf eines der schönsten und tröstlichsten Worte des gesamten Evangeliums hören:

"Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein."

Beide Schächer sind aufgrund ihrer Taten zum Tod verurteilt: "Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten - wir haben diese Strafe verdient", gibt der eine zu. Und doch wird dann gerade dieser von Christus begnadigt - es wird ihm ewiges Leben, paradiesisches Leben versprochen - warum?

Weil er sich - sozusagen noch in letzter Minute - zu Jesus bekehrt hat - weil er sich bitten, um Erbarmen flehend Jesus zugewandt hat. Und das allein unterscheidet ihn von dem Verurteilten auf der anderen Seite, dem linken Schächer. Dieser bleibt auch noch in der Stunde des Todes bei seinem Nein zu Gott, er verhärtet sich darin, er kehrt sich bewußt von Christus ab, will von ihm nichts wissen.

Hier ist uns die alles entscheidende Alternative vor Augen gestellt: Ja zu Gott oder Nein zu Gott, Hinwendung zu Christus oder Abkehr von ihm. Davon hängt alles ab. Aufgrund unserer Verdienste hätte keiner von uns das Paradies verdient. "Keiner der lebt, ist gerecht vor Gott", heißt es wiederholt in der Bibel. Wer sich aber an Christus hält, ja: an Christus hängt - der darf hoffen, mithinaufgezogen zu werden ins Reich Gottes - trotz allem Versagen.

Allerdings sollte man diesen Akt nicht bis auf das letzte Stündlein verschieben, sondern bei Zeiten einüben. Es kommt darauf an, daß wir hier und jetzt schon unserem Leben die richtige Richtung geben, damit wir dann auch am Ende bei Gott ankommen.

Damals auf Golgota war nur eine kleine Schar von Getreuen unter dem Kreuz versammelt: Maria und die anderen Frauen, die Jesus nachgefolgt waren und der Lieblingsjünger Johannes. Die anderen Jünger waren davongelaufen und hatten den Herrn in seiner schwersten Stunde alleingelassen.
Der Christkönigssonntag fordert uns auf, treu zu Christus zu stehen und uns als Gemeinschaft unter seinem Kreuz zu versammeln. Und genau das geschieht in der Eucharistie. In jeder Heiligen Messe wird das Opfer des Herrn unter uns gegenwärtig, treten wir unter sein Kreuz. Darum ist die Eucharistie die Mitte unseres Glaubens.
Möge der Herr uns hier die Gnaden schenken, die wir brauchen, um zu bestehen in Zeit und Ewigkeit.

Amen.


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