PREDIGTEN IM JAHRESKREIS:

PFINGSTEN:
Der Heilige Geist - die Seele der Kirche

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Liebe Gläubige,

das Pfingstfest hat eine zweifache Bedeutung: Es ist zum einen das Fest des Heiligen Geistes, der dritten göttlichen Person, und es ist sozusagen das Geburtstagsfest der Kirche. Und nun gehören gerade diese beiden Bedeutungen eng zusammen: Heiliger Geist und Kirche. Die Kirche kommt vom Heiligen Geist: Am Pfingsttag war es der Heilige Geist, der auf die Jünger herabkam und sie befähigte, Gottes große Taten zu verkünden, und zwar in allen Sprachen. Von Anfang an ist die universale, die weltweite Kirche da, aber durch die Kraft des Heiligen Geistes. Man kann also sagen, die Kirche ist ein Werk des Heiligen Geistes, ja, sie ist ein Kind des Heiligen Geistes. Es ist sehr wichtig, daß wir uns diese Perspektive von Kirche neu bewußt machen, weil oft ein allzu plattes und flaches Bild von Kirche vorherrscht. Manche sehen in der Kirche nur die große Institution, den großen Apparat, so etwas vielleicht wie das Rote Kreuz, ein Wohlfahrtsunternehmen; und vor Ort sehen sie in der Kirche so etwas wie einen Verein, eine Art Gemeindeverein. - Liebe Gläubige, wer die Kirche so betrachtet, hat nichts begriffen vom Wesen und vom Geheimnis der Kirche. Die Kirche hat eine Tiefendimension. Die Kirche hat zwar gewiß eine Außenseite, eine Oberfläche, dazu gehört natürlich dieses ganze Institutionelle, aber das Entscheidende der Kirche, das ist die Innenseite, das Entscheidende an der Kirche, das ist das Unsichtbare im Sichtbaren, das Göttliche im Menschlichen, das Ewige im Vergänglichen: Das Entscheidende ist der Heilige Geist. Der Apostel Paulus nennt die Kirche in einem schönen Bild "Tempel des Heiligen Geistes", und da kommt diese komplexe Struktur der Kirche gut zum Ausdruck: Tempel, das ist der sichtbare Bau aus Steinen, das sichtbare Gefüge in dieser Welt. Aber entscheidend ist, was nun dieses Gefüge erfüllt: Der Heilige Geist, die unsichtbare Kraft Gottes. Und so kann der hl. Augustinus sagen: Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche. Auch das ist ein gutes Bild: So, wie wir nur Lebenskraft haben, weil unser Leib erfüllt ist und durchwirkt ist von der Seele, so ist es auch mit der Kirche: Dieser ganze Organismus der Kirche kann nur deshalb leben und existieren, weil der Heilige Geist als Seele in dieser Kirche wirkt.

Und wie sieht das nun konkret aus, liebe Mitchristen, wie ist der Heilige Geist die Seele der Kirche? Ich möchte das an drei Beispielen zeigen. - Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche in den Sakramenten der Kirche. Wenn wir an das Evangelium denken, das wir gerade gehört haben: Hier wird uns die Einsetzung eines der sieben Sakramente berichtet, die Einsetzung des Beichtsakramentes, und sie geschieht durch den Heiligen Geist. Christus sagt zu den Aposteln: Empfangt den Heiligen Geist, wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Hier ist klar gesagt: Durch das Wirken der Amtsträger, jener, die in der Nachfolge der Apostel stehen, wirkt der Heilige Geist. Er ist es, der letztlich die Sünden nachläßt, der den Menschen vom Bösen erlöst. Und so ist es auch in all den andern Sakramenten: Durch das Handeln der Kirche wirkt der Heilige Geist. Bei der Taufe gibt es ein schönes Gebet, das Gebet zur Taufwasserweihe, und da heißt es: "Allmächtiger ewiger Gott, Deine unsichtbare Macht gibt den Sakramenten der Kirche geheimnisvolle Heilkraft und Wirkung." - Die unsichtbare Macht Gottes ist es, die den Sakramenten Heilkraft und Wirkung verleiht. Darum sind die Sakramente auch der größte Schatz der Kirche.

Ein zweites: Der Heilige Geist wirkt auch in der Verkündigung und in der Lehre der Kirche. Christus hat Seinen Aposteln versprochen, daß Er sie nicht als Waisen zurückläßt, sondern daß Er ihnen den Geist der Wahrheit senden wird, der sie in der Wahrheit halten, ja in die volle Wahrheit einführen wird. Daran glauben wir, wir glauben daran, daß der Kirche dieser Beistand des Geistes der Wahrheit gegeben ist. Das heißt, daß die Kirche uns im Glauben und in der Moral die Wahrheit sagt. Man spricht in der Theologie von der Infallibilität der Kirche, zu deutsch: von der Unfehlbarkeit der Kirche. Was heißt das? Ebendieses: Daß die Kirche aufgrund des Beistandes des Heiligen Geistes in den Fragen des Glaubens und der Moral nicht in den Irrtum verfallen kann. Es ist sehr wichtig, das zu wissen. Gerade heute, in diesem Meinungschaos, in diesem Durcheinander dürfen wir darauf vertrauen, daß uns die Stimme der Kirche den rechten Weg weist, nicht den Holzweg, nein, den Weg der Wahrheit, den Weg des Lebens.

Und ein letzter Gedanke: Der Heilige Geist ist auch die Lebenskraft in jedem einzelnen Gläubigen. Woher haben wir denn eigentlich den Glauben? Ist es unser eigenes Verdienst, daß wir diese Verbindung zu Gott haben, im Bewußtsein der Gegenwart Gottes leben, ja uns als Kinder Gottes wissen dürfen? Nein, das ist Gnadengabe des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist es, der im Menschen die Freude an Gott, ja die Leidenschaft für Gott, die Freude an der Religion, am Gottesdienst, am Gebet erweckt. Der Heilige Geist ist es darum, der die Kirche jung erhält, der immer wieder in allen Generationen neu Menschen für den Glauben begeistert. Und das erleben wir auch heute: Wir erleben zwar im Großen eine allgemeine Entkirchlichung und Entchristlichung. Das darf uns aber nicht den Blick verstellen für die Zeichen der Hoffnung, die es auch unter uns gibt: Wie immer wieder einzelne Menschen sozusagen Feuer fangen, plötzlich Lust am Glauben, Leidenschaft für Gott entdecken. Oftmals denke ich, das kann man manchmal, oder meistens gar nicht mehr erklären einfach durch das Milieu, oder durch die Umwelt, sondern da muß man sagen, daß jetzt dieser Mensch so im Glauben steht, das ist wirklich ein Beweis dafür, daß Gott selbst hier wirkt.

Weil es also den Heiligen Geist gibt, dürfen wir Hoffnung haben für die Zukunft der Kirche und der Menschheit. Es kann immer wieder Pfingstwunder im Kleinen geben. Der Geist Gottes kann Tote zum Leben erwecken - wieso soll Er nicht auch tote Christen zum Glaubensleben erwecken können? Es kommt nur darauf an, daß wir damit rechnen, daß wir darauf vertrauen, und daß wir darum von Herzen bitten: Komm, Heiliger Geist, erneuere Deine Kirche, erwecke die Freude am Glauben und die Leidenschaft für Gott unter vielen Menschen - und fange bei mir an. Amen.



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