PREDIGTEN IM JAHRESKREIS:

GRÜNDONNERSTAG

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Liebe Gläubige,

Abschiedsstunden sind immer ganz besondere Stunden im menschlichen Leben, und wenn es sich gar um den letzten Abschied handelt, wenn ein Mensch aus dieser Welt scheiden wird, sind die letzten Begegnungen, die letzten Gespräche, und vor allem die letzten Worte dessen, der geht, ganz besonders wichtig für die Zurückbleibenden, sein Vermächtnis für die Hinterbliebenen. Das letzte Abendmahl ist die Stunde des Abschieds Jesu, das letzte Zusammensein mit den Aposteln, Seinen engsten Vertrauten, die Er nicht mehr Knechte, sondern Freunde nennt. Jesus wußte, daß Seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Jesus kennt den Leidensweg, der Ihm bevorsteht. Aber gerade darum will Er jetzt noch einmal mit den Jüngern das Paschamahl feiern, und ihnen in dieser Stunde auch die Augen öffnen für das, was geschehen wird. Sein Leiden wird kein sinnloses Leiden sein, sondern ein heilbringendes Leiden. Sein Tod, den Er für uns erleidet, ist nicht das Ende, sondern dieser Tod wird der Anfang des neuen Lebens sein. Christus ist das Paschalamm des Neuen Bundes, Er ist das Lamm Gottes, das auf dem Altar des Kreuzes geopfert wird. Sein Blut wird vergossen, so sagt Er selbst, zur Vergebung der Sünden: für die Sünde, für die Bosheit der ganzen Welt. Einst, als die Israeliten im Sklavenhaus Ägyptens waren und von Gott herausgeführt wurden, schlachteten sie die Paschalämmer und bestrichen mit dem Blut die Türpfosten, damit der Würgeengel an ihnen vorübergeht. Das ist ein Symbol für das, was jetzt mit Christus geschieht: Sein Blut soll für uns gleiche Bedeutung haben, es soll uns schützen vor der Macht des Todes, vor der Macht des Bösen. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", sagt Er - also dieses Letzte Abendmahl ist Sein Vermächtnis für die Jünger, für alle Zeiten, für alle Generationen. Für alle Zeiten soll Sein Erlösungsopfer gegenwärtig bleiben, dieses Opfer des Neuen und Ewigen Bundes. Denken wir auch einmal wieder neu daran, daß in jeder Heiligen Messe das Kreuz Christi unter uns aufgerichtet wird, wenn wir Seinen Leib sehen, den Er für uns hingegeben hat, und Blut, das Er für uns vergossen hat.

Und dann gibt der Herr den Jüngern noch ein zweites Vermächtnis mit: Er tut für sie beim Abendmahl den Dienst der Fußwaschung - das heißt, Er erniedrigt sich vor den Jüngern, Er beugt sich zu ihren schmutzigen Füßen herab und wäscht sie rein. Man kann verstehen, daß Petrus diese Szene peinlich ist, unangenehm ist - er versteht nicht, was Christus damit sagen will: daß er auch damit die kommende Passion, den kommenden Karfreitag symbolisch deutet. Das, was mit Christus am Karfreitag passiert, wenn Er gedemütigt wird, geschmäht wird, geschlagen wird, schließlich umgebracht wird - überlegen wir einmal neu, was die Menschen getan haben: Sie haben Gott getötet, die Menschen, eigentlich müßte man doch sagen, damit hat sich die Menschheit letztlich das Urteil endgültig gesprochen. Unfaßbar, daß es dann doch gerade anders kam. Wenn das geschieht, dann passiert das, was ich euch getan habe: Ich beuge mich herab zum Schmutz der ganzen Menschheit, ich erniedrige mich vor der ganzen Menschheit, um sie in meiner göttlichen Liebe rein zu waschen. Es gibt die Redensart: "Jeder macht sich die Füße schmutzig." Das heißt: Jeder von uns macht sich auf die eine oder andere Art schuldig in diesem Leben. Zu unser aller schmutzigen Füßen beugt sich Christus herab, zu unserer Erbärmlichkeit, zu unserer häßlichen, selbstischen Schuld. Für uns Sünder stirbt Er den Verbrechertod am Kreuz. Das sagt Er den Jüngern im Symbol der Fußwaschung, und Er verbindet damit wiederum einen Auftrag: Wenn ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Also diese Hingabe Christi an uns, diese Hingabe bis in den Tod soll ein Beispiel sein, daß auch wir etwas hingabe- und liebesfähiger werden. Daß wir vor allem bereit werden zur dienenden Liebe, zur duldsamen Liebe, zur Liebe, die den Anderen annimmt gerade mit seinen Schwächen und Grenzen und seiner Erbärmlichkeit. Gewiß kann der Mensch auf Dauer solche Liebe, solche selbstlose Liebe, nicht aus sich selbst heraus bringen, das geht nur in Verbundenheit mit Christus, in der Verbundenheit mit dem Sakrament Seiner Liebe, der Eucharistie.

Liebe Gläubige, wie feiern wir eigentlich die Heilige Messe richtig? Wir feiern sie richtig, wenn sie im Laufe unseres Lebens immer mehr zur Lebensmesse wird. Wenn wir uns von Christus innerlich berühren und innerlich umwandeln lassen, indem wir uns Ihm verähnlichen lassen in Seiner Haltung der dienenden Liebe. Dann gehören wir wirklich zu Ihm und erfüllen Seinen Willen. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe - so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.



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