Lamm

PREDIGTEN IM JAHRESKREIS

Lourdes: Das fortdauernde Wirken Marias in der Zeit

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Es war im Jahr 1858, als die vierzehnjährige Bernadette Soubirous, Tochter armer Taglöhner, gewürdigt wurde, an achtzehn Tagen in der Grotte von Massabielle die Jungfrau Maria zu sehen und mit ihr zu sprechen. Bernadette schreibt in einem Brief über ihre erste Begegnung mit der wunderbaren Erscheinung:"Ich ging mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute nach der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz". Die "schöne Dame", wie Bernadette sie nennt, läßt die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten und Bernadette versteht dies als Zeichen, den Rosenkranz zu beten. Bei den späteren Begegnungen verspricht die Erscheinung dem Mädchen, sie nicht in dies em Leben, wohl aber im nächsten glücklich zu machen. Sie bittet Bernadette, für die Bekehrung der Sünder zu beten und am Ort der Erscheinung durch den Pfarrer von Lourdes eine Kapelle erbauen zu lassen, wohin man in Prozessionen wallfahren soll. Schließlich weist sie das Mädchen an, mit den Händen ein Loch zu graben; dort tritt eine Quelle in der Grotte zutage, deren Wasser schon bald wunderbare Krankenheilungen bewirkt. Immer wieder fragt Bernadette die Dame nach ihrem Namen. Aber erst bei der letzten Begegnung offenbart sich die Erscheinung mit den Worten: "Ich bin die unbefleckt Empfangene!"

Bernadette hat für die Gnade dieser Erscheinungen viel erleiden müssen, Verdächtigungen, Verleumdungen, Anfeindungen, nicht zuletzt von den Mitschwestern im Kloster von Nevers, in das sie eintrat. Außerdem war sie Zeit ihres Lebens eine Kranke, erst fünfunddreißigjährig starb sie an Asthma. Doch war zu dieser Zeit 1879 ihr Heimatdorf Lourdes schon weltberühmt geworden, und die Pilger aus aller Welt strömten zur heilbringenden Quelle. Dreißig Jahre nach Bernadettes Tod, als man ihr Grab anläßlich des Seligsprechungsprozesses öffnete, fand man ihren Leichnam ohne die geringste Spur der Verwesung, während das Leichentuch vermodert und das Sterbekreuz verrostet waren. Und so, wie sie damals lag, kann man die hl.Bernadette noch heute in einem Sarg aus Gold und Kristall in der Klosterkapelle zu Nevers sehen.

Lourdes ist heute zusammen mit Guadalupe in Mexiko- der größte und am meisten besuchte Wallfahrtsort der Kirche. Täglich kommen Tausende aus allen Erdteilen dorthin. Und es gibt wohl kaum jemanden, der nicht irgendetwas von Lourdes mitnimmt, der nicht gestärkt und getröstet heimkommt und nicht wenige erleben auch körperliche Heilungen, oft unspektakuläre, manchmal aber auch spektakuläre. (Kirchlich anerkannt sind bis heute etwa 70 Heilungen, bei denen die Rückbildung einer tödlichen Erkrankung oder Behinderung wissenschaftlich nicht erklärbar ist.) Lourdes und andere marianische Wallfahrtsorte wie Fatima, Tschenstochau oder Altötting, aber auch kleinere Marienheiligtümer lassen die Menschen die Gegenwart Gottes und seiner Heilsmacht erfahren. Gott hat nicht nur vor zweitausend Jahren zur Zeit Jesu geholfen; er hilft auch heute, er ist auch heute die alles bestimmende Macht. Und an bestimmten Gnadenorten, besonders marianischen, manifestiert sich das besonders.

Wir gehen auf das Jahr 2000 zu. Papst Johannes Paul II. ist davon überzeugt, daß Gott für die Jahrtausendwende "eine besondere Gnade für die Kirche und die ganze Menschheit" vorgesehen hat (TMA Nr.55). "Wir erwarten ein neues Kommen des Herrn in der Gnade"(Schreiben zum 700.Jahrestag des Wallfahrtsorts Loreto, Nr.1). In Verbindung mit diesem neuen Kommen des Herrn in der Gnade spricht der Papst auch von der mystischen Rolle Mariens im Leben der Gnade: "Maria war, historisch betrachtet, die Morgenröte, die dem Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit, Christi, unseres Gottes, voranging; sie erfüllt weiterhin, wann immer man ein neues Kommen des Herrn in der Gnade erwartet, diese mystische Rolle im Leben der Kirche"(ebd.). Mit anderen Worten: Der Welt den Erlöser bringen das ist die bleibende Rolle Marias im Heilswerk. Auch das ist nicht nur Vergangenheit, sondern gegenwärtiges Heilsgeschehen. Maria bringt Christus nahe u nd vermittelt der Welt seine Gnade und heilende Gegenwart. Lourdes und die anderen Marienwallfahrtsorte stellen uns dieses fortdauernde Wirken der Gottesmutter deutlich vor Augen.

Darum tun wir gut daran, wenn wir uns auf die Jahrtausendwende im Glauben vorbereiten wollen, dies mit und durch Maria zu tun. Durch ein armes, unwissendes Bauernmädchen konnte Maria Großes für die Welt tun und vielen Heilung an Seele und Leib schenken. Gehen auch wir zu Maria, ja, nehmen wir sie zu uns, wie es der Jünger unter dem Kreuz tat (Joh 19,27), dann wird sie etwas mit uns machen und uns bereiten, die Gnade, die Gott vielleicht für uns vorgesehen hat, zu empfangen.


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