Predigten im Jahreskreis

Kommt zum Herrn!

Predigt zum Kirchweihfest (Lk 19,1-10; 1 Petr 2,4-10)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Die Geschichte  von Jesus und dem Zöllner Zachäus gehört zweifellos zu den schönsten Stellen im Evangelium.
Geschildert wird die große Stunde – die größte Stunde im Leben eines Menschen, eben des Zachäus. Wie alle Zöllner wird er bei den Leuten verhasst gewesen sein, weil er ihnen im Auftrag der Römer Steuern und Zölle abnahm. Vor allem die Zusammenarbeit mit der römischen Besatzungsmacht war es, was man den Zöllnern ankreidete, was sie zu Verrätern am eigenen Volk machte. Außerdem war Zachäus klein, ein weiterer Grund, sich über ihn zu erheben.
Nicht so Jesus. – Unter all den vielen Menschen, die da gekommen sind, um den bekannten Prediger und Wunderheiler aus Galiläa zu bestaunen, entdeckt er zielsicher den Zöllner auf dem Maulbeerfeigenbaum. Es zeigt sich wieder: Gott hat eine Vorliebe für die Kleinen, die Verachteten, die am Rand Stehenden, die Armen. Zu denen gehört Zachäus. Trotz seinem vielen Geld ist er  ein armer Tropf. Aber jetzt hat er Glück.
Jesus sieht ihn, Jesus ruft ihn und Jesus geht mit ihm. Von jetzt ab kann es ihm egal sein, ob ihn die Menschen mögen oder nicht. Er gehört zu Jesus und hat damit den besten Freund, den es gibt. Darum braucht er sich auch nicht mehr an sein Geld zu klammern, sondern kann es mit vollen Händen den Armen geben.
Die große Stunde des  Zachäus. Sein Glückstag.
Nicht sechs Richtige im Lotto. Nein, Geld hat er genug gehabt – und war trotzdem unglücklich.
Das größte Glück des Menschen ist nicht ein dickes Bankkonto und ein protziges Haus, sondern die Liebe Gottes. – Wenn Gott mich anschaut, mich ruft und mit mir geht.

Liebe Gläubige, warum sieht die Leseordnung der Kirche gerade dieses Evangelium für den heutigen Anlass, das Kirchweihfest vor?
Wohl, weil hier in unserer Kirche etwas ähnliches geschieht wie damals in Jericho.
Damals war Jesus zu Gast im Haus des Zachäus und hielt mit ihm Mahl.
Hier ruft der Herr uns in sein Haus, an seinen Tisch und lädt uns zu seinem Gastmahl der Liebe ein.
Er ruft uns, obwohl wir es vielleicht genauso wenig verdient haben wie der Zöllner. Er ruft uns, weil er suchen und finden will, was ohne ihn verloren ist. Er ruft uns, weil er auch uns wie einst dem Zachäus  Heil schenken will (Lk 19, 9.10).

Liebe Gemeinde, immer wenn die Glocken unserer Kirche zum Gottesdienst rufen, ergeht an alle die große Einladung des Herrn. So wie wir es in der Lesung aus dem Petrusbrief gehört haben:
“Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine aufbauen, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen“ (1 Petr 2,4.5).
Der Ruf ergeht an alle, die Christen heißen.  Doch: wieviele hören ihn und wieviele kommen?
Gewiss heißt es auch manchmal ein Opfer bringen, ein Opfer an Zeit, an Bequemlichkeit. Ist der Herr uns das wert: das ist die Frage. Sind wir bereit, „geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen“?

Zachäus hat damals erkannt, um was es geht. Der Herr musste ihn nicht zweimal rufen.
Sooft in dieser Kirche die Messe gefeiert wird, das Opfermahl des Neuen und Ewigen Bundes, das Vermächtnis des Herrn, haben auch wir die Chance, Gemeinschaft mit Jesus zu erfahren
Welches Privileg.  Ja, welche unverdiente Ehre. – So sagt es der Apostel Petrus:
“Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an dem man anstößt  und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt“ (1 Petr 2,7.8).

So feiern wir heute den Weihetag unserer Kirche.  Sie ist mit ihrem hochaufragenden Turm das Zentrum und das Wahrzeichen unserer Stadt. Sie ist auch ein Zeugnis dafür, wieviel den früheren Generationen, die diese Kirche errichtet haben, der Glaube und die Kirche bedeuteten.
Heute bilden wir die Gemeinde der Gläubigen. Und es liegt an jedem Einzelnen von uns, dass diese Kirche nicht eines Tages bloß noch ein Museum ist oder ein Konzertsaal, sondern dass sie Gottes Haus in unserm Ort bleibt.
Wir müssen – wie Petrus schreibt – „lebendige Steine“ der Kirche sein. Dann hat der Glaube in unserer Heimat Zukunft. Und das ist wichtig, ja das Entscheidende für das Heil der Menschen.

 

Amen.


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