PREDIGTEN IM JAHRESKREIS:

KARFREITAG 1999

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Der Karfreitag führt uns das Leiden und den Kreuzestod Jesu Christi vor Augen, das

"Haupt voll Blut und Wunden , voll Schmerz und voller Hohn".

Vielleicht berühren uns solche Sätze in diesen Tagen besonders, wo wir täglich Bilder von unglücklichen, aus ihrer Heimat brutal vertriebenen Menschen sehen und Nachrichten von Greueltaten und Völkermord hören.

Es gibt manches Golgotha, manche Schädelstätte in dieser Welt.

So schauen wir am Karfreitag auf das Kreuz; und wir schauen nicht nur darauf, sondern wir verehren es, wir beugen unsere Knie davor – nachher bei der feierlichen Kreuzverehrung, die im Zentrum der Karfreitagsliturgie steht:

"Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit - venite adoremus": Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen – kommt, lasset uns anbeten!

Das Kreuz anbeten und verehren. Aber warum eigentlich?

An und für sich betrachtet ist ja dieses Kreuz etwas Schlimmes, ein Hinrichtungsinstrument,ein Marterpfahl. Recht gemein konzipiert: so, daß es ein langsames, über Stunden sich hinziehendes Ausbluten gibt – so hing Christus 6 Stunden am Kreuz in der glühenden Mittagshitze, der gaffenden Menge ausgesetzt. Etwas Grausames, etwas Gemeines das Kreuz. So grausam und gemein wie unsere Welt eben sein kann.

Nicht nur damals.

Unsere Zeit – die Moderne – ist ganz gewiß ebenso erfinderisch beim Quälen und Töten wie die Antike, nur sehr viel effizienter dabei.

Nochmals: warum verehren wir heute das Kreuz? Weil es das Kreuz Jesu Christi ist. Weil Jesus selbst das Leiden, den Schmerz, die Anfeindung, den Tod

auf sich genommen und zu eigen gemacht hat.

Und weil seitdem gilt:

Wo immer Menschen unschuldig leiden – da sind sie umfangen vom Kreuz Christi, da sind sie ganz nahe bei Christus, dem Gekreuzigten.

Es ist besser für den Menschen, Unrecht zu leiden als Unrecht zu tun, wußte schon Sokrates. Aber erst durch Christus wissen wir, warum das so ist:

Weil die Opfer auf der Seite Christi stehen, die Täter aber auf der Seite seiner Mörder.

So gibt es seit Christus kein sinnloses Leiden mehr. Alles Leid dieser Welt hat eine geheime Beziehung zum Kreuz und ist in das Erlösungsgeschehen mithineingenommen.

 Darum wird das Kreuz zu Recht "spes unica",unsere einzige Hoffnung genannt. Und besonders die leidenden Menschen, die selbst ein Kreuz zu tragen haben, spüren den Trost,der vom Kreuz Jesu ausgeht.

Sie besonders, die Leidenden dieser Welt, in der Ferne und in der Nähe wollen wir einschließen in diese Karfreitagsstunde.

Amen



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