PREDIGTEN IM JAHRESKREIS:

Er trug sein Kreuz
Predigt zum Karfreitag

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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 „Er trug sein Kreuz hinaus zur Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn“ (Joh  19,17). Mit diesen schlichten Worten fasst der Evangelist Johannes das erschütterndste Ereignis der Weltgeschichte zusammen.
Was Hinrichtung durch das Kreuz bedeutet, wussten die Zeitgenossen des Evangelisten. Bei den Römern galt der Tod am Kreuz als so furchtbar und entehrend, dass die Kreuzesstrafe nur über Sklaven und Fremde verhängt werden durfte.
Von Cicero stammt der Satz: „Schon das Wort Kreuz soll fernbleiben den Gedanken, Augen und Ohren der römischen Bürger“. – Unter zivilisierten Menschen durfte nicht einmal darüber gesprochen werden. Nur für die schlimmsten Verbrechen wie Mord oder Hochverrat wurden Sklaven und Barbaren auf diese Weise hingerichtet.

Der Kreuzigung Jesu ging als zusätzliche Strafe die Geißelung voraus. Wer den Film „Die Passion Christi“ gesehen hat, weiß, was sich hinter diesem unscheinbaren Wort verbirgt.
Die Geißelriemen waren mit Knochenstückchen oder Metallteilen durchsetzt. Damit wurden die Opfer bis auf die Knochen zerfleischt. Viele starben bereits dabei – noch vor der eigentlichen Hinrichtung. Wir verstehen, warum Jesus nach der Geißelung nicht mehr in der Lage ist, sein Kreuz selbst zur Hinrichtungsstelle zu schleppen.
Schlimmer noch als die körperliche Qual des Herrn ist das Leiden seiner Seele.  Es muss der bitterste Schmerz für ihn sein, den Unglauben, die Ablehnung, den Hass und Verrat der Menschen zu erleben; jener Menschen, für die er gekommen war, die er gerufen hatte, die er geheilt hatte, denen er der Messias sein wollte.
Sie sagen NEIN zu ihm. – Wir wollen dich nicht! Ans Kreuz mit dir!

Die Einsamkeit des Herrn. - Die Jünger lassen ihn alle allein. Er hat keinen Menschen mehr, und selbst von Gott, seinem Vater, fühlt er sich am Ende verlassen.
„Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus" (Joh 19,31).
Die Todeswunde Jesu ist sein gebrochenes Herz.
Er wird „von einer Art einsamen Terror gepackt, wie  jemand, der in einen weit entfernten Winkel des Universums katapultiert wird, wo sich, wenn er schreit, seine Stimme in der Leere verliert“, schreibt dazu der Theologe Raniero Cantalamessa .

„Seht da den Menschen“, so weist Pilatus auf Jesus. Er weiß nicht, welch wahres Wort er hier spricht. Seht hier in Jesus Christus die ganze Tragödie des Menschen in dieser  verkehrten Welt. Seht in ihm aber auch die Größe der Liebe und Hingabebereitschaft mitten in Hass, Gewalt, Verblendung und Verrat.
Schauen wir heute neu auf Jesus Christus. Für uns ist er  den bitteren Kreuzweg gegangen, für uns hat er den Kelch des Leidens bis zur Neige getrunken. Um uns den Weg zu ebnen, um uns da zu erwarten, wo es dunkel ist, wo es schmerzt, wo uns eine schwere Last drückt, wo wir alleingelassen und verwundet sind. Jesus hat alles durchlitten. Jetzt haben wir ihn in unserem Leid, und damit sind wir gerettet.

Reinhold Schneider, der große katholische Schriftsteller,  sagt es so:
„Wer Christi Tod erlitten (auch die Tode mitten im Leben)
wird mit ihm auferstehen.
Wo er hindurchgeschritten,
da wage ich´s zu gehen.“

 

 


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