Predigten im Jahreskreis

Der Sonntag: ein Tag für Gott und für den Menschen

9. Sonntag im Jahreskreis B (Mk 2,23-3,6)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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„Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig“, so steht es in den Zehn Geboten, im Grundgesetz des Gottesvolkes, und zwar ziemlich weit oben, nämlich bereits an dritter Stelle (Deuteronomium 5,12). „Halte den Sabbat heilig“, was heißt das? - Heilig ist alles, was Gott gehört, was besonders Gott geweiht ist. – „Heilige den Sabbat“, heißt: Gib den Sabbat Gott!
„Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht“.

Ein Tag in der Woche soll in besonderer Weise Gott gehören. Ein Tag soll ein Gott-geweihter, heiliger Tag sein. Ein Tag soll „Tag des Herrn“ sein“. - Und wie weiht man diesen Tag Gott? Indem man ihn zum Gottesdienst gebraucht.
Durch den Gottesdienstbesuch wird der Sabbat geheiligt. Jesus selbst hat es so gehalten. Wir haben im heutigen Evangelium gehört, dass er am Sabbat in der Synagoge war (und bei dieser Gelegenheit einen Verkrüppelten heilte). An anderer Stelle heißt es: „Jesus ging am Sabbat, wie es seine Gewohnheit war, in die Synagoge“ (Lukas 4,16).
Die Christen haben diese Gewohnheit ihres Herrn beibehalten. Einen Tag in der Woche heiligten sie besonders. Nicht mehr den Sabbat der Juden , sondern den Sonntag, den Tag der Auferstehung.

Sie nannten ihn den „Tag des Herrn“, an dem sie das Herrenmahl, die Eucharistie feierten. So wurde der Sonntag, die Heiligung des Sonntags zum Erkennungszeichen des Christen.
Kann man uns Christen heute auch noch daran erkennen? Viele leider nicht mehr.
Aber eigentlich sollte es so sein. Ein Tag in der Woche – wenigstens der Sonntag – sollte für Gott da sein, dem wir so viel - alles – zu verdanken haben.
Von der „Sonntagspflicht“ des Katholiken spricht man. Das ist keine Erfindung der Kirche. Das ist das Dritte Gebot. Das ist der Auftrag Jesu beim Letzten Abendmahl: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lukas 22,19).

Nun lernen wir aus dem heutigen Evangelium noch ein Zweites. Der Sonntag ist nicht nur für Gott da, er ist auch für den Menschen da. Er soll ein besonders menschlicher, menschenfreundlicher Tag sein. Die Pharisäer hatten diesen Sinn des Sabbats nicht verstanden. Dass Gott die Arbeit verboten hatte, das war für sie so etwas wie eine besonders schwere Prüfung des Glaubens. Nur wer es möglichst perfekt schaffte, am Sabbat jede Tätigkeit zu vermeiden, war gerecht vor Gott. Und so erarbeiteten sie einen Katalog von Verboten, was am Sabbat alles untersagt war. Aber Gott hatte es anders gemeint. Gott hatte dem Menschen nicht eine neue Last, eine neue Sorge auferlegen wollen, sondern im Gegenteil: von der alltäglichen Last befreien wollen.
Der Sinn des Arbeitsverbotes war ein humaner, menschenfreundlicher:
Einmal in der Woche frei werden vom Joch der Arbeit, einmal herauskommen aus der Tretmühle, die da heißt: arbeiten, schaffen, produzieren, leisten, Pflicht erfüllen, zur Stelle sein …
Gott sagt dem Menschen: Du bist nicht nur zum Funktionieren geschaffen, du brauchst dir deine Daseinsberechtigung nicht zu verdienen, du bist kein Sklave der Pflicht, nicht nur ein kleines Rädchen im großen Getriebe, sondern ein freier Mensch, ein Kind Gottes. Und darum sollst du aufschauen dürfen zum Himmel und sollst dich nicht nur zum Staub der Erde bücken.
So spaziert Jesus am Sabbat mit seinen Jüngern durch die Kornfelder, freut sich an der Schöpfung und genießt die Früchte der Natur. Als freier Menschensohn, als Herr, nicht als Sklave der Pflicht.

Haben wir noch diese Freiheit? Können wir noch Menschen sein? Entspannt, sorglos, heiter, an der Schöpfung uns freuend, mit Freunden uns treffend. Können wir noch zur Ruhe kommen, durchatmen, zum Himmel aufschauen. Oder sind wir Getriebene, gefangen im Aktivismus? Immer im Stress, immer im Zeitdruck, sogar in der Freizeit.
Dann haben wir es dringend nötig, uns an Jesus zu orientieren. Versuchen wir, den Sonntag, den Tag des Herrn, im Sinne des Herrn zu verbringen. Als einen heiligen, gottverbundenen Tag und als einen menschlichen Tag. Dann kommt Segen in unser Leben. Denn, so lesen wir im Schöpfungsbericht der Bibel (Gen 2,3), nicht den Werktag, sondern den SABBAT hat Gott gesegnet.

 

Amen.


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