Predigten im Jahreskreis

Aus dem Opfer geht Segen und neues Leben hervor

Predigt zum 2. Fastensonntag (B)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Zu den schönsten Erlebnissen einer Israelreise gehört der erste Blick auf Jerusalem; und zwar von dem der Stadt gegenüberliegenden Ölberg aus. - Ein großartiger Anblick diese Jahrtausende alte Stadt, die Stadt Davids, die heilige Stadt dreier Religionen, der Juden, der Christen und der Moslems.
Unzählige Kuppeln, Türme, Minarette; und im Zentrum das Wahrzeichen der Stadt: Die goldene Kuppel des Felsendoms.
"Felsendom" heißt diese Moschee, weil sie auf dem Tempelberg erbaut ist. Dort erhob sich in der Antike der gewaltige Salomonische Tempel; und dieser Tempel war errichtet an dem Ort, wo Abraham einst Gott seinen Sohn Isaak opfern wollte: auf dem Berg Morija. Der Gipfel dieses Berges, die Felsspitze ist im Felsendom freigelegt, sie bildet das Zentrum der Moschee. Hier war auch der Mittelpunkt des alten jüdischen Tempels, das Allerheiligste, das der Hohepriester nur einmal im Jahr, nämlich am Versöhnungstag betrat, um dort Gott das Versöhnungsopfer für die Sünden der Israeliten darzubringen. Mit Bedacht hatte also König Salomo, der Erbauer des Ersten Tempels, die Stelle des Abrahamsopfers als Ort für den Altar des Jersualemer Tempels gewählt.
Die Hingabebereitschaft, der Glaubensgehorsam Abrahams sollte hier immer wieder neu in Israel vergegenwärtigt werden.

Abraham war bereit gewesen - wir haben in der Lesung den Bericht gehört - Isaak, sein einziges Kind, das Gott ihm noch im hohen Alter geschenkt hatte, auf Gottes Wort hin zu opfern.
Abrahams Glaube und Vertrauen in Gott waren also absolut. Er weigerte sich nicht, Gott sein Liebstes, seinen größten Schatz, an dem alle Hoffnungen hingen, auszuliefern. - Im Vertrauen, dass, was immer Gott will, gut sein muss.

Gott wollte Abraham und seinen Glauben erproben. Und es zeigt sich, dass er sich in seinem Erwählten nicht getäuscht hat. Abraham ist geeignet, Vater aller Glaubenden zu werden - so nennt ihn später Paulus - er wird Stammvater des auserwählten Volkes der Juden, aus dem schließlich der Erlöser der Welt, Jesus Christus, hervorgehen soll.
Gott hat den Gehorsam, die Opferbereitschaft Abrahams in Segen verwandelt: "Durch deine Nachkommen sollen Segen erhalten alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast" (Gen 22,18).

Nicht nur den Tempelberg besucht jeder Israelpilger, sondern auch den Berg der Verklärung, den Berg Tabor.
Als Jesus die drei Jünger auf diesen Berg führte, hatte er seinen Leidensweg in Jerusalem bereits vor Augen. Er hatte erfahren, dass er durch seine Predigt, seine Wunder, seine Heilungen die überwiegende Mehrheit des Volkes nicht erreicht hatte. Sie waren nicht zum Glauben an ihn als Messias gekommen, ja: viele lehnten ihn ab. Was jetzt auf dem Tabor geschieht,wo Jesus sich plötzlich verwandelt und im Glanz der künftigen Auferstehung erscheint, soll den Jüngern die Augen öffnen: Der Kreuzestod in Jerusalem, die Verwerfung durch die Menschen wird nicht das Letzte sein. Vielmehr wird Gott dieses Opfer Jesu, seine Todeshingabe annehmen und - wie einst bei Abraham - verwandeln in Segen und Heil für viele: In die Auferstehung der Toten.

Liebe Gläubige, ich las einmal den Satz: "Opfer muß man nicht suchen. Sie werden uns abverlangt".
Die Botschaft des Glaubens ist, dass Opfer sich in Segen verwandeln können, in neues Leben für uns und andere, wenn wir sie annehmen - im Vertrauen auf Gott und im Gehorsam seinem Wort gegenüber.
Wenn wir jetzt die Heilige Messe begehen, denken wir einmal daran, dass man die Messe auch Meßopfer nennt. Und zwar deshalb, weil in jeder Meßfeier das Kreuzesopfer Christi neu vergegenwärtigt wird: sein Leib, den er für uns hingegeben, sein Blut, das er für uns vergossen hat.
In jeder Messe treten wir unter das Kreuz des Herrn.
Und wir sind eingeladen, - das ist ein wesentlicher Sinngehalt der Messe - uns "mitzuopfern" (ein Ausdruck des Zweiten Vatikanischen Konzils); das heißt zusammen mit den Gaben von Brot und Wein, die auf den Altar gebracht werden, uns selbst darzubringen, vor allem das Schwere, das Leidvolle, die Zumutungen unseres Lebens, auf dass das alles hineingenommen werde in das Opfer Christi und verwandelt werde in Größeres: in Segen und neues Leben für uns und andere.

Amen.


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