Predigten im Jahreskreis

Nicht zu ersetzen: die Mutter

Predigt zum Muttertag

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Es ist gut, wenn sich wenigstens am Muttertag alle einmal wieder daran erinnern, was sie ihrer Mutter zu verdanken haben und wenn sich die ganze Gesellschaft daran erinnert, welchen Dienst die Mütter leisten.
Leider hat es sich noch nicht in genügendem Maße herumgesprochen, was uns die Psychologen sagen – was uns aber auch unsere eigene Lebenserfahrung und unser gesunder Menschenverstand sagen könnte: dass es das A und O ist für die Entwicklung, für das Gedeihen eines Menschen, dass er von Anfang an, von Geburt an hineinwachsen darf in eine Welt der Liebe und der Geborgenheit.
Der Mensch ist – biologisch gesehen – ein Nesthocker – und zwar ein extrem pflegebedürftiger Nesthocker. - Das Menschenkind braucht nichts so sehr wie das sichere Nest und die Nestwärme; es braucht viel Pflege, viel Zuwendung  und Zeit in einer festen familiären Umgebung, damit es sich in Ruhe entwickeln kann, Urvertrauen fassen kann zur Welt und zu einer Persönlichkeit heranwächst, die ihrerseits auch wieder Positives weitergibt, etwas tut für die Menschen und die Welt.
Und in wessen Händen liegt es, dass immer wieder neu solche Menschen heranwachsen und unsere Gesellschaft erhalten? - In den Händen der Familien und darin  ganz besonders der Mütter.

Wenn man sich das einmal vor Augen führt: Kann es eine wichtigere Aufgabe geben als Mutter zu sein und sich mit ganzem Einsatz dieser Aufgabe zu widmen? Und ist es nicht unverständlich und unverzeihlich, wie man in vergangenen Jahren den Frauen, die „nur“ Hausfrau und Mutter sind, geradezu einen Minderwertigkeitskomplex eingeimpft hat ?
Die Folgen dessen wird einmal die ganze Gesellschaft zu spüren bekommen: Wenn bis in ein paar Jahren Deutschland überaltert ist – wir sind mit der niedrigsten Geburtenrate der Welt geradezu ein sterbendes Volk -  – und wenn es außerdem  mehr und mehr junge Leute gibt, die nicht mehr die notwendige familiäre Basis mitbekommen haben und darum haltlos und emotional entwurzelt sind und sich destruktiv verhalten.
Die Familie ist durch nichts zu ersetzen!  Deshalb bitte jetzt nicht die alte DDR kopieren und mit flächendeckenden Kinderkrippen und Horten auf „Sozialismus light“ machen! Dafür müssen uns die Kinder und auch die Mütter zu schade sein. Man wird auf diese Weise auch nicht dem Geburtenrückgang wehren. Denn welche Frau will ein Kind für die Kinderkrippe bekommen ?

Zu dem Unvergleichlichen und Unersetzlichen, was Mütter für ihre Kinder und damit für die gesamte Gesellschaft tun, gehört auch die Weitergabe des Glaubens.
Die Eltern – und besonders die Mütter sind die ersten und wichtigsten Glaubensboten für die Kinder.
Wir alle haben den Glauben nicht gelernt vom Pfarrer oder von der Religionslehrerin; wir haben ihn gelernt bei der Mutter, die abends am Bett mit uns gebetet und uns das erste Mal von Gott erzählt hat.  Auch für die Religion gilt: die Basis wird am Anfang gelegt. - Das religiöse Fundament des Lebenshauses wird in der Kindheit gelegt, und was hier unterlassen wird, ist später nur schwer zu ersetzen.
Darum appelliere ich immer wieder an junge Eltern, diese Aufgabe ernst zu nehmen. Nicht nur für das materielle Wohl der Kinder zu sorgen, sondern vor allem für das seelische. Auch für die Kinder gilt der Satz: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…
Wir dürfen den Kindern nicht das Wichtigste, die Beziehung zu Gott vorenthalten! Gerade in unserer chaotischen Zeit. Möchten das doch die jungen Eltern verstehen, dass es wichtig ist, dem Glauben Platz im Familienleben zu geben, und das heißt vor allem: dem täglichen Gebet. Und wer das versucht, wird auch bald merken, welcher Segen das ist und welche Bereicherung, wenn Gott in der Familie gegenwärtig ist; wie man dadurch auch entlastet und getragen ist in der Sorge um die Kinder und die Familie insgesamt gestützt wird.

Jesus sagt uns im heutigen Evangelium: >Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Aber in der Verbundenheit mit mir seid ihr stark und werdet Frucht bringen< (Joh 15,5).
Das gilt für jeden Einzelnen. Das gilt auch für die Familie. Und wenn heute so viele Familien kaputt gehen: Liegt es nicht auch daran, dass das Fundament des Glaubens fehlt? Umgekehrt gilt: Die christliche Familie ist nicht auf Sand gebaut. Sie hat Zukunft!

Die große Mutter Teresa sagt es so: „Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen“.
Und das ist mein Wunsch für unsere Familien am heutigen Muttertag.

 

Amen

 


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