Predigten im Jahreskreis

JAHWE: der große und der nahe Gott

Predigt zum 3. Fastensonntag C (Ex 3,1-15)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Die heutige Lesung aus dem zweiten Buch Mose, dem Buch Exodus, ist ein grundlegender Text der Bibel. Hier beginnt ein neuer Abschnitt der Heilsgeschichte. Gott offenbart dem Mose in der Wüste im brennenden Dornbusch seinen Namen – und damit sein wahres Wesen.
Mose war aus Ägypten geflohen. (Sie kennen die Vorgeschichte. – Wenn nicht, dann lohnt sich die Lektüre der ersten Kapitel dieses Buches!)
In Ägypten gab es viele Götter.  Anubis, Apis, Re, Isis, Osiris – und wie sie alle hießen. Diese Götter hatten eine Gestalt. Meistens eine unheimliche Mensch-Tier-Mischgestalt. So gibt es den Falkenköpfigen Gott (Horus), den Schakalköpfigen Gott, den Stierköpfigen Gott und andere.
Jede dieser Gottheiten hat ihren speziellen Machtbereich: Gott der Fruchtbarkeit, Gott der Erde, Gott des Krieges, Gott des Todes.
In den Tempeln  (in Ägypten monumentale Bauten, oft Pyramiden) bringen die Priester Opfer vor den Bildern der Götter dar und beschwören sie bei ihren Namen. Um Unheil abzuwenden und dem Land Sicherheit und Gedeihen zu sichern. Auch die Pharaonen werden in dieser Weise als Götter verehrt.
Aus dieser Welt kommt Mose. Und als er nun in der Wüste diese seltsame Erscheinung sieht – der Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt - und die Stimme hört, die ihn ruft und zum Volk Israel sendet: Es ist klar, dass er da eine Frage hat: >Wer bist du? Wie heißt du? Bist du Amun oder Re oder ein anderer Gott? Der Gott der Wüste oder des Feuers vielleicht? Was soll ich den Israeliten sagen?< Und da bekommt er eine merkwürdige Antwort.
„Aehjaeh ascher aehjaeh – JAHWE“ (Ex 3,14).
Es gibt unterschiedliche Deutungen dieses Namens. Eine Möglichkeit lautet: „Ich bin der ich bin“. - Was heißt das ?
Vielleicht das: Ich habe keinen Namen wie die anderen Götter. Ich bin ganz anders. Ihr könnt mich nicht benennen, nicht begreifen, nicht beschwören. Ich bin – der ich bin. Darum gibt es auch kein Bild von mir. „Du sollst dir kein Bildnis machen!“, wird es später auf dem Sinai heißen (Ex 20,4).

Gott, der wahre und lebendige Gott, ist unsichtbar, unbegreiflich, er ist größer als alle menschlichen Bilder, Vorstellungen, Namen. Und das rechte Verhältnis des Menschen zu diesem großen, unbegreiflichen Gott ist: Anbetung.
„Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heilig …Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen“ (Ex 3,5+6).
Die Ägypter meinten, wenn sie nur die rechten Rituale anwenden, können sie ihre Götter zwingen  (heute glauben Ähnliches viele in der Esoterik…) Beim wahren und lebendigen Gott funktioniert das nicht.
Er ist der Herr. - Kein dienstbarer Geist.  „Ich bin – der ich bin“.

Das ist das eine, was Mose lernt – und mit ihm alle künftigen Generationen. Aber das ist noch nicht alles. Denn diese rätselhafte Selbstvorstellung „JAHWE“ kann man auch so verstehen: „Ich bin der: ich bin da“.
Gott ist der, der da ist; der immer und überall da ist.
Gott ist nahe.  Nicht weit weg über den Wolken. Nein, ganz nahe. Und er sieht den Menschen. Und er sieht die Not seines Volkes, und er greift ein – und er steigt herab. - Ja, so heißt es wörtlich:“Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land herauszuführen in ein schönes und weites Land, in dem Milch und Honig fließen“ (Ex 3,8).
Der nahe Gott, der allgegenwärtige Gott, der rettende Gott. Auch das ist in diesem Wort „JAHWE“, und es ist geradezu der Gegenpol zum vorigen.
Gott ist unbegreiflich, groß, majestätisch  („transzendent“, sagt man in der Theologie), und er ist zugleich nahe, gegenwärtig und fürsorglich. Er steht über allem und ist uns dennoch – wie der hl. Augustinus sagt – innerlicher als wir uns selbst.

Was Gott hier in dieser Schicksalsstunde der Geschichte über sich selbst offenbart, das öffnet uns den Blick auf das Geheimnis, das Wesen Gottes und gibt uns einen Maßstab für den rechten Glauben.
Dass Gott groß ist, ja dass er der Größte ist und dass man ihn anbeten muss, das wissen zum Beispiel auch die Muslime. („Allah akbar“ – „Gott ist größer“, lautet das islamische Glaubensbekenntis).
Was andere Religionen aber nicht wissen ist, dass dieser große Gott sich für uns klein macht, dass er uns ganz nahe kommt, dass er in Jesus ein menschliches Gesicht annimmt und zu uns herabsteigt, um uns aus aller Not in seine neue Welt zu führen.
Diesem Gott begegnen wir auch jetzt wieder. Wir beten ihn an (ist doch die Liturgie – nach den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils - „vor allem Anbetung der göttlichen Majestät“.)
Wir beten ihn aber nicht an als einen fernen Gott, sondern als den, der in Jesus, im heiligen Sakrament mitten unter uns ist, freilich: verborgen und unscheinbar. Diesen großen Gott, der sich für uns so klein macht, müssen wir von Herzen lieben und ihm dürfen wir vertrauen.

 

Amen


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