Predigten im Jahreskreis

Die leichte Last

Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 11,25-30)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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„Die meisten Menschen stöhnen unter Lasten, die sie sich selbst aufgebürdet haben“.
Diesen Satz habe ich einmal  gelesen – und ich meine, da ist einiges dran.
Wir stöhnen unter Lasten, die wir uns selbst auferlegt haben.
Die Last eines übersteigerten Leistungsdenkens und
 Ehrgeizes zum Bespiel: Dass einer immer und überall Hochleistung bringen muß, vornedran sein muß, sich immer neue und größere Ziele setzt, die Latte immer höher legt: bis eines Tags die Luft wegbleibt und man sich wiederfindet mit dem Herzinfarkt im Krankenhaus.
Oder das Gegenstück zum Hochleistungsmann: die moderne Superfrau,  die in jeder Hinsicht sich verwirklichen und alles unter einen Hut bringen muß: Erfolg im Beruf, funktionierende Familie und perfektes Äußeres – bis auf einmal gar nichts mehr perfekt ist und funktioniert, weil sie nicht mehr kann, sich wie ausgebrannt fühlt. -  Vom  „Burn-Out-Syndrom“ spricht man, eine der typischen Krankheiten unserer Zeit:  ausgebrannte Supermenschen…
Wie viele – gerade junge Leute – unterwerfen sich dem eisernen Diktat der Mode und opfern alle Lebensfreude irgend einem Schönheits- und Schlankheitswahn.
Noch nie seien die Menschen so frei gewesen wie heute, heißt es. Ich bezweifle das. Mir scheinen viele heute recht gleichgeschaltet zu sein.  Und selbst die Urlaubs- und Ferienzeit, die jetzt beginnt, die angeblich „kostbarsten Wochen des Jahres“ – für viele sind sie doch nichts anderes als die stressigsten Wochen.  Weil man auch hier so viel wie möglich rausholen will, sich ausleben will. „Urlaub um jeden Preis“ sei das Motto vieler Deutscher, war dieser Tage  in der Zeitung zu lesen. -  Ob am Ende der Preis nicht doch zu hoch ist?

Liebe Gläubige, der Lasten, die Menschen sich selber aufbürden, unter denen sie leiden, die ihnen die Luft  abdrücken, sind viele.
Umso wichtiger die Einladung, die Jesus im heutigen Evangelium ausspricht:
 „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt: Ich will euch aufatmen lassen!“ (Mt 11,28)
Ich erinnere mich an ein  eindrucksvolles Bild in einer Augsburger Kirche, ein großes Mosaik vorne im Chorraum: Christus steht da mit weit ausgebreiteten Armen, die Menschen umdrängen ihn und in großen Lettern die Unterschrift:
„Kommt alle zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen!“

So ruft uns der Herr zu sich.
Das ist die Verheißung, die große Einladung des Glaubens:
Dass wir bei Christus unsere selbstauferlegten und fremdauferlegten Lasten und Zwänge los werden können, daß wir bei ihm wieder aufatmen können, uns aufrichten und frei zum Himmel aufschauen können.
Der Glaube befreit.
Er befreit von der ängstlichen Sorge um sich selbst, von dem Druck, sich ständig beweisen zu müssen, Erfolg zu haben, die eigene Daseinsberechtigung beweisen zu müssen. Das alles dürfen wir getrost dem Herrn überlassen. Dass er uns zu sich ruft: das ist die Hauptsache, damit haben wir schon unsere Bestimmung erreicht.
Und weil der Gläubige, der Jünger Christi,  befreit ist von der Sorge um sicht selbst – kann er frei werden für die anderen, für die Last des Mitmenschen.
Das ist das sanfte Joch und die leichte Last Jesu: sein Weg der Liebe.
„Lernt von mir: ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29).
Jesus ist ganz hingegeben an den Willen des Vaters – von Herzen demütig -  und er tut nichts anders, als die Barmherzigkeit und Güte des Vaters weiterzugeben an die Menschen. Jene Güte, die sich darin zeigt, dass er, der Herr des Himmels und der Erde, der Höchste, eine Vorliebe hat gerade für die Kleinen und Unmündigen:
„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all dies den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast!“(Mt 11,25)

Davon also sollen wir lernen, so sollen wir leben: die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes weitergeben, Liebe und Wärme ausstrahlen in diese kalte Welt, in der jeder für sich kämpft.
„Einer trage des anderen Last“ – sagt Paulus – „so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).
So feiern wir jetzt Eucharistie, die heilige Messe. Hier begegnen wir dem, der uns voll Güte und Erbarmen zu sich ruft; der uns einlädt, die Lasten und Schwierigkeiten unseres Lebens bei  ihm abzuladen.  All das dürfen wir hineingeben in dieses eucharistische Opfer; dürfen wir geistig auf den Altar legen: damit es dort verwandelt werde in Segen und Gnade.

 

 

Amen.


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