Predigten im Jahreskreis

Das große Fest der göttlichen Liebe

Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 22, 1-14)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Im heutigen Evangelium vergleicht Christus das Himmelreich mit einem großen glanzvollen Hochzeitsfest, das ein König für seinen Sohn gibt.
Das Bild der Hochzeit ist nicht zufällig gewählt. Es begegnet oft in der Bibel, wenn das künftige Heil, das ewige Leben im Reich Gottes veranschaulicht werden soll.
So zum Beispiel im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes. Dort schaut der Seher Johannes die künftige Welt Gottes, den neuen Himmel und die neue Erde in großen Bildern einer sozusagen kosmischen Hochzeit:

„Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat“. Und es erklingt der Jubel der Erlösten: “Wir wollen uns freuen und jubeln, denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes und seine Frau hat sich bereit gemacht. Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen ist“ (Apk 19,7.9; 21,2).
Das Hochzeitsmahl des Lammes, das himmlische Hochzeitsfest: Was ist damit gemeint?
Der große Theologe Romano Guardini erklärt es so.“Die ganze neue Schöpfung wird im Zustand der Liebe sein.“
Die Hochzeit ist das Fest der Liebe, der Inbegriff des Liebesglücks. Und nun sagt uns das Evangelium, sagt uns Christus: Ebenso wird das Himmelreich sein. Ein großes, überschwängliches, universales Fest der Liebe, ein grenzenloses Glück der Liebe.
Anders kann es auch gar nicht sein. Denn Gott selbst ist die Liebe, die liebende Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und den Menschen hat Gott als sein Abbild geschaffen und das heißt: ebenfalls auf die Liebe hin geschaffen.
Von daher verstehen wir, warum das Reich Gottes wirklich der Himmel und das Paradies für den Menschen ist. -  Weil das Reich Gottes das Reich der Liebe ist, in welchem die tiefste und innerste Sehnsucht des Menschen endlich gestillt wird.

Wenn das aber so ist, dann stellt sich die Frage: Warum setzen die Menschen nicht alles daran, in diesen Himmel der göttlichen Liebe zu kommen?  Oder, um wieder zum heutigen Evangelium zurückzukehren: Wie ist die abweisende und völlig gleichgültige, ja sogar feindselige Reaktion der Gäste auf die Einladung des Königs zu erklären?
„Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!  Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um“ (Mt 22,4-6). Ein völlig unbegreifliches Verhalten. Die einen interessieren sich einfach nicht für die Einladung, ziehen ihr Alltagsgeschäft der glanzvollen Hochzeit vor und beleidigen damit natürlich zugleich aufs tiefste den König. Die anderen fühlen sich sogar durch die Boten, die die gute Nachricht bringen, belästigt und bringen sie kurzerhand um.
Christus gibt für dieses Verhalten keine Erklärung. Weil man es nicht erklären kann. Die Eingeladenen wollen einfach nicht. Sie sagen nein. Das Nein zu Gott, das Nein zur göttlichen Liebe: das ist die Sünde schlechthin. Und diese Sünde ist zugleich absurd und widersinnig. Weil der Mensch sich damit selbst von der großen Freude ausschließt, sich selbst um das große Glück bringt, nach welchem er doch eigentlich verlangen müsste.

Aber nun kommt das Entscheidende: Obwohl die Eingeladenen Nein sagen, findet die Hochzeit statt – Sie findet statt ohne die Neinsager. Der König lässt sich sein großes Fest nicht durchkreuzen. Er lädt sich andere Gäste ein. Jeder ist eingeladen zur großen Freude, jeder darf kommen. Es gibt nur eine einzige Teilnahmebedingung: Man muss ein „hochzeitliches Gewand“ tragen (Mt 22,11).
Was ist damit gemeint? Wer zum Reich Gottes und damit zum Reich der Liebe gehören will, muss selbst ein Liebender sein, muss sozusagen mit der Liebe bekleidet sein. Und zwar mit echter, ernsthafter Liebe, mit jener Hingabebereitschaft, die unser kleines enges Ich auf das Du, auf den Nächsten und auf Gott hin entgrenzt.….
Beim hl. Thomas von Aquin gibt es das Wort: „Jede Tat der Liebe verdient das Ewige Leben“. - Jede Tat wirklicher Selbsthingabe, wirklicher  Aufopferung und wirklicher Barmherzigkeit berechtigt zum Eintritt ins Reich der Liebe. So sagt es ja der Herr auch klar in seiner Rede über das jüngste Gericht:
„Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz. Denn was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,34.40).

Liebe Mitchristen, man kann sagen, wir Menschen leben auf Erden, um hier in der Schule des Alltags, in konkreten Begegnungen die Liebe einzuüben, die uns reif macht für das Reich Gottes. Wer ehrlich mit sich selbst ist, wird zugeben, dass da manches noch ziemlich unterentwickelt ist, dass da noch viel Engherzigkeit, Lieblosigkeit, Selbstsucht in uns ist. Darum brauchen wir auch den Glauben, brauchen wir die Gnade Gottes, sein Wort, seine Sakramente: damit unsere schwache Liebeskraft von oben her gestärkt wird und wir trotz unseres Versagens hoffen dürfen, einst das Große zu erlangen, das  Gott denen bereitet hat, die lieben.

 

AMEN.


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