Predigten im Jahreskreis

Das Zeichen des Kreuzes

Predigt zum Fest der Kreuzerhöhung (14. September)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Das Fest Kreuzerhöhung lenkt unseren Blick auf das Kreuz, auf das Zeichen des Kreuzes.
Was bedeutet uns das Kreuz, das Kruzifix, das Bild des gekreuzigten Christus?
Ein Erlebnis aus meiner Zeit als Diakon: Die Oma ist gestorben. Die Enkelin löst den Nachlass auf. Das meiste kommt in den Container. Aber da ist auch ein Kreuz, das bei der Oma über der Türe hing. - Was machen wir damit? Bei uns aufhängen? - Kommt nicht in Frage. Einfach wegschmeißen? Da hat man auch ein ungutes Gefühl. Schließlich fällt eine Lösung ein: „Wir hängen es in den Keller!“ Da stört es niemanden. Und Jesus kann auch zufrieden sein…
Eine weitere Begebenheit: Eine Schule wird renoviert. Nachher ist alles aufs Modernste eingerichtet und erstrahlt in neuem Glanz. Und keinem fällt auf, dass eine Kleinigkeit fehlt: die Kreuze in den Klassenzimmern. - Die liegen auf einem Haufen in einem Abstellraum. Nach einem halben Jahr kommt der Hausmeister und fragt, was mit den Kreuzen im Abstellraum geschehen soll. Der Rektor überlegt: Wenn ich die jetzt wieder aufhänge, dann gibt es vielleicht Widerstand. Vielleicht beim einen oder anderen Kollegen, vielleicht auch bei Eltern? Und überhaupt: Dürfen wir das heute überhaupt noch? Wir sind doch jetzt multikulturell. Vielleicht stören sich die Moslems daran? - So überlegt er hin und her. Schließlich findet er eine Lösung: Solange niemand nach den Kreuzen fragt, lassen wir alles auf sich beruhen. - Und so geschieht es. Niemand vermisst etwas. Und das Kreuz ist aus der Schule verschwunden.
Vor einigen Jahren hat das sogenannte „Kruzifix-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichtes Aufsehen erregt. Ein Vater klagte, seinem Kind sei der Anblick eines sterbenden Menschen am Kreuz nicht zuzumuten. Außerdem sei die Familie atheistisch. Das Gericht gab nach einigem Hin und Her dem Kläger Recht. - Damals schrieb ein alter Pfarrer in Bayern einen Leserbrief: „Muss ich jetzt auf meine alten Tage noch einmal erleben, dass das Kreuz im Klassenzimmer abgehängt wird? So wie´s unter Hitler schon einmal geschehen ist…“

Das Kreuz, das Symbol unseres christlichen Glaubens, was bedeutet es uns?
Haben wir es in unserer Wohnung? Und wenn ja: Sehen wir es auch noch? Beachten wir es, grüßen wir es? Es zeigt uns doch den, der für uns sein kostbares Blut vergossen hat.
Auch draußen finden sich bei uns noch Kreuze, Wegkreuze, Feldkreuze. Dank den Menschen, die sich um diese Kreuze kümmern. Auch an diesen Kreuzen sollten wir nicht achtlos vorübergehen. Es soll ja Segen von ihnen ausgehen, auf alle, die vorbeikommen.
Wie tröstlich ist es, wenn in einem Klinikzimmer ein Kreuz zu sehen ist. Das signalisiert dem Patienten: Du bist nicht nur auf Menschen und Ärztekunst angewiesen. Da gibt es noch einen Größeren, einen, der dich in seine weit ausgebreiteten Arme nimmt. Er kennt dein Leid. Weil er selbst der Mann der Schmerzen ist, mit Krankheit vertraut (Jesaja 53,3).

Man kann das Kreuz auch um den Hals tragen. Als Zeichen des Glaubens und als Segenszeichen. Freilich sagt das noch nicht unbedingt etwas über das Christsein aus. „Viele tragen ein schmuckes Kreuz um den Hals, aber nur wenige tragen das Kreuz auf den Schultern“, las ich einmal.
Zu unserer katholischen Religion gehört auch das Sich - Bekreuzigen, das Kreuzschlagen.
Nicht nur im Gottesdienst machen wir es, zu jedem Gebet sollte es gehören. Lehren wir es auch unsere Kinder und Enkel. Aus der Frühzeit der Kirche überliefert der Kirchenvater Tertullian:
„Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Waschen, Essen, Lichtanzünden, Schlafengehen, beim Niedersetzen und welche Tätigkeit wir immer ausüben, machen wir das Kreuz“. - Im Vergleich dazu sind wir sehr sparsam mit dem Bekreuzigen geworden.
Immer wieder kann man im Fernsehen Fußballer, meistens aus anderen Nationen, sehen, die sich vor oder nach dem Spiel oder, wenn sie ein Tor geschossen haben, bekreuzigen. - Ja, genieren die sich denn nicht? Vor den Augen der Öffentlichkeit sich als gläubig, als katholisch zu outen?

Jesus sagt einmal: „Wer sich zu mir vor den Menschen bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem himmlischen Vater bekennen“ (Matthäus 10,32).

Liebe Gemeinde, das Kreuz ist das Symbol, das Sinnbild der christlichen Religion von Anfang an. Im Zeichen des Kreuzes siegte das Christentum einst über die antiken heidnischen Götzen. Damals – im Römischen Reich – war das junge Christentum ja zunächst verboten. Zwei Jahrhunderte lang. Und die Gläubigen wurden blutig verfolgt. Die Wende kam im Jahre 312 mit Kaiser Konstantin. Das muss ganz kurz erzählt werden. Konstantin hatte einen Kontrahenten, einen Gegenkaiser, Maxentius. - Es kam zu einer Entscheidungsschlacht. Einige Tage vor der Schlacht hat Konstantin einen Traum. Er sieht am Himmel ein leuchtendes Kreuz und hört die Worte: „In diesem Zeichen wirst du siegen!“ Darauf lässt Konstantin auf den Standarten seiner Soldaten das Kreuz anbringen. Es kommt zur Konfrontation, zur Schlacht an der Milvischen Brücke. Konstantin kann, obwohl eigentlich unterlegen, Maxentius vernichtend schlagen. Zum Dank dafür hebt er das Verbot des Christentums im ganzen römischen Weltreich auf und erlaubt den Bau der ersten christlichen Kirchen. Am Ende seines Lebens empfängt er selbst die Taufe. Von da an breitet sich das Christentum explosionsartig aus. Es wird zur größten Weltreligion und ist es bis heute.
“In diesem Zeichen wirst du siegen!“ Das gilt auch heute noch. Das gilt auch für jeden einzelnen von uns. Halten wir uns an das Kreuz. Halten wir das Kreuz heilig, und tragen wir auch das Kreuz der Nachfolge auf den Schultern. Dann wird uns das Kreuz zur Hoffnung. In der Liturgie des heutigen Festes heißt es: „Hoc signum crucis erit in caelo, cum Dominus ad iudicandum venerit“.
“Dieses Zeichen des Kreuzes wird am Himmel erscheinen, wenn der Herr zum Gericht kommt.”


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