Lamm

Pfarrer Hendrick Jolie

"Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe"(1 Kor 11,23)


Überlegungen zur Rückgewinnung priesterlicher Identität


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Vorbemerkung

Nachstehende Überlegungen ergeben sich aus der konkreten Beobachtung der Pfarrseelsorge vor Ort. Zunächst werden die Umstände beschrieben, welche die Rückgewinnung der priesterlichen Identität notwendig machen (1). Anschließend werden Koordinaten aufgezeigt, die zu dieser Rückgewinnung unerlässlich sind (2.). Schließlich sollen in Form eines Ausblicks die weiteren praktischen Schritte skizziert werden (3.).

1. Zur momentanen Situation

Die Situation des deutschen Katholizismus ist in vielen Veröffentlichungen hinlänglich beschrieben worden. Insbesondere die Initiativkreise katholischer Laien und Priester haben in den vergangenen Jahren bestürzendes Material über den Wildwuchs in den deutschen Pfarrgemeinden gesammelt. Seit wir das NETZWERK KATHOLISCHER PRIESTER 2000 gegründet haben, erreichen uns verzweifelte Zuschriften und Anrufe ratloser Priester und Laien. Dies ermöglicht uns einen differenzierten Einblick in die derzeitige Situation. Ergänzt wird dieses Szenario in letzter Zeit durch Hilferufe aus den Priesterseminaren und Ordensgemeinschaften, deren Lage in der Regel noch prekärer und auswegloser erscheint.

Zieht man mögliche Übertreibungen und Einseitigkeiten ab, so ergibt sich ein erschütterndes Bild: Die innerkirchliche Disziplin ist vielerorts zusammengebrochen. Der sogenannte "Priestermangel" führt vielerorts zu pragmatischen Lösungen in Liturgie und Pastoral, die einer soliden theologischen und pastoralen Prüfung nicht standhalten.

Der Verfasser dieses Artikels schilderte die Zustände in einem Leserbrief, der in mehreren diözesanen Kirchenzeitungen veröffentlicht wurde (z.B. "Glaube und Leben", Kirchenzeitung des Bistums Mainz, Ausgabe Juni 2003):

"Viele Gläubige, die noch Wert legen auf die unverkürzte Verkündigung des katholischen Glaubens und auf die würdige Feier der Heiligen Messe, nehmen Sonntag für Sonntag lange Autofahrten in Kauf. In den Ordinariaten macht das Wort von den "Personalpfarreien" die Runde. Man duldet diese Entwicklung, weil sie durch Disziplinlosigkeit selbst verschuldet ist..."

Auf diesen "Hilferuf" gab es keine Reaktion. Ist Schweigen hier Zustimmung? Die kirchliche Behörde rügte lediglich den Ton des Briefes, inhaltlichen Widerspruch gab es nicht. Im Sommer 2003 wurde durch das Vorgehen der Priester Hasenhüttl und Kroll der Tiefstand des deutschen Priestertums eindrucksvoll dokumentiert: Besonders am Beispiel von Pfarrer Kroll zeigte sich, dass eine ständige Überschreitung des kirchlichen Rechts insbesondere bei der Feier der Eucharistie (Interkommunion, selbstgebastelte Hochgebete etc.) den Glauben und damit die Identität des Priesters auf Dauer zusammenbrechen lässt. Krolls Bischof bescheinigte ihm mittlerweile schwerwiegende Defizite im Hinblick auf das Amtsverständis.

Gefahren

"Als katholischer Priester, der es mit Glaube und Verkündigung im Sinne der Tradition ernst nimmt, fühlt man sich manchmal wie der Angestellte einer großen Firma, der plötzlich feststellt, ein völlig anderes Produkt zu verkaufen als es die Firmenleitung von ihm verlangt" (Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer, Gründer des NETZWERKs KATHOLISCHER PRIESTER). Priester, die auf diesen Missstand hinweisen, setzen sich besonderen Gefahren aus: Sie geraten leicht zwischen alle Lager, da sie einerseits von ihren Gemeinden, andererseits von der kirchlichen Hierarchie beargwöhnt werden.

Wer sich hier als "Nestbeschmutzer" an die kirchliche Öffentlichkeit wagt, verzichtet auf eine innerdiözesane Karriere und gerät in Gefahr, den "sozialen Kältetod" zu sterben, indem er auch von den eigenen Mitbrüdern wie ein Aussätziger behandelt wird. Man meidet ihn, weil er auf Probleme aufmerksam macht, vor denen andere gerne die Augen verschließen. Konkretes Beispiel: In vielen Pfarreien gibt es die Unsitte flächendeckender Interkommunion. Priester, die auf die Unvereinbarkeit dieser Praxis mit dem kirchlichen Recht hinweisen, werden gemieden, weil man Angst hat, diesen Missbrauch zu stoppen. Man möchte nicht gerne an etwas erinnert werden, was die eigenen Versäumnisse in Verkündigung und Seelsorge zutage fördert.

Schwerer wiegt der Vorwurf der Illoyalität gegenüber dem Bischof, mit dem glaubenstreue Priester konfrontiert werden. Zunächst muss gefragt werden, ob der Vorwurf der Illoyalität nicht eher jenen Priestern zu machen wäre, die in aller Öffentlichkeit (und auch in der Presse) für das Priestertum der Frau oder die Segnung Homosexueller etc. eintreten. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Priester für eben solche Äußerungen mit Konsequenzen rechnen musste.

Ferner beinhalte die Pflicht zu Loyalität und Gehorsam kein Verbot, eklatante Missstände zu benennen und - wenn es keine andere Möglichkeit gibt - auch öffentlich zu machen. Die "Hilferufe" konservativer Priester sind zugleich ein Signal an die Bischöfe: Standfeste Persönlichkeiten im Presbyterium stehen den Bischöfen zur Verfügung, sobald die Hirten sich entschließen, dem Ausverkauf katholischen Glaubensguts im eigenen Lager entschiedener als bisher entgegenzutreten.

2. Koordinaten für die Wiedergewinnung priesterlicher Identität

Die Mär von der "Versöhnten Vesrchiedenheit"

Mittlerweile wissen viele Priester nicht mehr so genau, was denn priesterliche Identität sei. Landläufig wird als Stil- und Geschmacksfrage deklariert, was eine Glaubensfrage ist. Konkretes Beispiel: Einem Priester, der marianisch ist und die Lehre der Kirche unverkürzt vertritt, wird in der Gemeinde gesagt, ihm sei "Maria halt wichtig" und er sei eben "besonders romtreu", gerade so, als handele es sich hier um Spezialinteressen, die ein Priester wahrnehmen könne oder nicht. Diese Ansicht ist absurd: Einem Chirurgen, der mit sterilen Skalpellen operiert, weil es die Hygienevorschrift vorsieht, würde man kaum unterstellen, er sei "besonders vorschriftshörig". Gilt ein Richter, der sich an die Bestimmungen des BGB hält, als "paragraphenhörig"?

Selbstverständlich gibt es hinsichtlich des Priestertums Stil- und Geschmacksfragen, wie die Kirchengeschichte und die große Zahl heiliger Ordensgründer und Priestergestalten zeigt. Das Oratorium des Philipp Neri hat andere Schwerpunkte und Zielsetzungen als z.B. der Orden des Heiligen Ignatius von Loyola. Im Kern steht jedoch der selbe katholische Glaube und die Gestalt des Priestertums, wie sie von der katholischen Tradition bezeugt wird und in den lehramtlichen Dokumenten niedergelegt ist.

Gerade hier gibt es jedoch im Presbyterium keinen Konsens mehr. Schlimmer noch: Man hat es offenbar weitgehend aufgegeben, einen Konsens für möglich zu halten geschweige denn ihn einzufordern. Das "Phantasiepriestertum" oder "Privatpriestertum" hat Einzug gehalten in die deutsche Kirche. Meist ist dies schon an der Kleidung des jeweiligen Klerikers erkennbar.

Im Diskurs über die Gestalt des Priestertums hat das Unwort der "versöhnten Verschiedenheit" Einzug gehalten. Dies wird konsequent auch auf verschiedene "Priestertypen" angewendet, so wie es z.B. P.M. Zulehner in seiner Studie "Priester 2000" darlegt (Priester in heutiger Kultur, Ostfildern 2001). Leicht vergröbert könnte man Zulehners These so zusammenfassen: Priester, die an der dogmatisch verbindlichen Lehre über das Priestertum (ontologischer Charakter, Sakramentalität etc.) festhalten (in Zulehners Diktion die "Zeitlosen Kleriker"), brauchen als Ergänzung die "Zeitoffenen Gottesmänner", die ihr Priestertum als eine geschichtlich gewordene Größe betrachten und dementsprechend "flexibel" auf die pastoralen Bedürfnisse ihrer Gemeinden antworten können.

Diese moderne Sicht der "versöhnten Verschiedenheit" (die auch in dogmatischen Fragen - besonders in der Ökumene - zur Anwendung gelangt) wird von deren Vertretern solange aufrecht erhalten, bis die Gegenseite darauf hinweist, dass es hinsichtlich des Priestertums allgemein verbindliche Vorgaben gibt. Solche Hinweise werden indes verworfen und als "Fundamentalismus" bezeichnet. Unter dem Deckmantel der "Vielfalt" und "gegenseitiger Bereicherung" wird die Wahrheitsfrage ausgeklammert. Wer anderes fordert, gerät unter Faschismusverdacht. Das Problem der verschiedenen "Priestertypen" wird stattdessen zum Einsatzort der Kommunikationsexperten und Systemanalytiker, nicht der Dogmatiker oder des Lehramtes.

Dialogismus und die Ausklammerung der Wahrheitsfrage

Folgerichtig werden in vielen Diözesen Kurse für Priester angeboten, die das Problem der verschwimmenden priesterlichen Identität nicht theologisch, sondern kommunikationstechnisch lösen. Man überlasst das Feld den Unternehmensberatern und Therapeuten, wo eigentlich das authentische Lehramt in der Pflicht stünde. Es steht außer Zweifel, dass in der Vermittlung priesterlicher Identität auch systemische und psychologische Fragen etc. eine Rolle spielen. Mittlerweile entsteht jedoch der Eindruck, dass in Ermangelung einer lehramtlichen Klarheit das eine durch das andere weitgehend ersetzt werden soll.

Nicht anders verhält es sich in der Arbeit vor Ort: Viele Konflikte in der Pfarrei haben heute ihren Ursprung in unterschiedlichen Glaubensauffassungen, die miteinander unvereinbar sind. Fast nie wird im Konfliktfall die Frage gestellt, welche Sichtweise denn nun - gemessen an Schrift und lehramtlicher Tradition bzw. kirchlichem Recht - die richtige sei. Im Gegenteil: Oft wird einem Priester, der sich an seine Dienstpflichten und seinen Amtseid hält, widerwillig bescheinigt, dass er Recht habe. Im gleichen Atemzug wird er dann jedoch der "Rechthaberei" bezichtigt mit dem Hinweis, "so" könne man das heute nicht mehr sagen. Die Ausklammerung der Wahrheitsfrage aus dem innergemeindlichen "Dialog" hat fatale Folgen: Im Konfliktfall wird nicht der Bischof als Garant des rechten Glaubens in die Pfarrgemeinde eingeladen. Stattdessen vertraut man auf so genannte "Gemeindeberater", die den Eindruck erwecken, es ginge nicht um Glaubensfragen, sondern lediglich u m "Kommunikationsprobleme". Ein Priester, der darauf verzichtet "Recht" zu haben, gilt dann als besonders dialogfähig und geschwisterlich. Im Grunde sägt er jedoch an dem Ast, auf dem er sitzt, weil er dafür sorgt, dass die Frage seiner Identität letztlich eine Frage von Zustimmung zu einer bestimmten "Meinung" wird.

3. Ansätze zur Rückgewinnung

Einsicht

Ein erster Schritt zur Rückgewinnung ist die klare und schonungslose Analyse. Ein marodes System kann nicht wirksam saniert werden, wenn die theologischen und geistigen Voraussetzungen nicht durchschaut werden, die zu seiner Zersetzung geführt haben. Wo dieser "Durchblick" fehlt, werden Konflikte personalisiert ("die können sich halt nicht leiden"), psychologisiert ("unser Pfarrer ist ein ängstlicher Mensch, deswegen versteckt er sich hinter dem Lehramt"), bagatellisiert ("so schlimm ist es ja nicht") oder spiritualisiert ("wir müssen für unseren Bischof beten, dann wird alles wieder gut"). Diese anderen Aspekte der Kirchenkrise sollen nicht geleugnet werden. Die eigentlichen Ursachen liegen jedoch tiefer.

Erneuerung über die Pfarrei und über die Ortskirche

Die Erneuerung des Priestertums ist eng verbunden mit der Erneuerung des gemeindlichen Lebens überhaupt. Deswegen muss die Erneuerung in den Gemeinden ansetzen und durch diese mitgetragen werden. Pfarrgemeinden sollten ihren Pfarrer bei der Ausübung seiner priesterlichen Dienste unterstützen und ermutigen. Dies bedeutet für viele Gemeinden eine Rückkehr zur sakramentalen Beichte und zur liturgischen Ordnung, insbesondere bei der Feier der Heiligen Messe. Die liturgischen Dienste sind nach den Vorgaben des kirchlichen Rechts so zu ordnen, dass sie das Spezifische von Priestern und Laien nicht verwischen. Die zermürbende Rivalität von Geweihten und Nichtgeweihten, wie sie in vielen Gemeinden herrscht, muss beendet werden, da sie die sakramentale Ordnung der Kirche verdunkelt.

Die "Geistlichen Bewegungen" gelten mittlerweile als Hoffnungsträger, für manche sogar als Allheilmittel der Kirchenkrise. Es muss jedoch angemerkt werden: Vielen dieser Bewegungen fehlt der Mut (oder die Befähigung?), die geistlich-theologische Auseinandersetzung, wie sie in unserer Kirche zurzeit tobt, zu benennen, geschweige ihr wirksam und mutig zu begegnen. Oftmals ist man in den "Movimenti" mehr auf das Gedeihen der eigenen Gruppe bedacht als auf die wirksame Sanierung des Organismus. Hier entsteht zum Teil eine "Pfarrei in der Pfarrei" oder - diözesanweit - eine Art "Parallelkirche", deren geistliche Wirkkraft für die Gesamtkirche gering ist. Geistliche Gemeinschaften, Gebetskreise, Wallfahrtsorte, haben sich vielerorts zu einer "Nische" entwickelt, in der sich Priester und Laien das zukommen lassen, was sie im grauen Pfarralltag entbehren. Diese vielerorts zu beobachtende Entwicklung ist kein Heilmittel, sondern eher ein Sym ptom der momentanen Krise. Sie wird noch zu wenig durchschaut.

"Rebellen gegen die Formlosigkeit"

Es ist unübersehbar, dass es besonders im jüngeren Klerus Ansätze zu einer Rückgewinnung priesterlicher Identitä gibt. In einer Kirchenzeitung wurde das neulich so beschrieben:

"40 Jahre nach Beginn der Liturgiereform scharen sich Christen in entgegengesetzten Lagern zusammen - geeint nur durch Unzufriedenheit. Die einen haben kein Verständnis für die Trennung von den evangelischen Schwestern und Brüdern; sie wollen lebensnahe Feierformen ohne theologischen Ballast und liturgisches Brimborium. Die anderen beklagen eine verflachte liturgische Praxis und eine Preisgabe des Mysteriums. Deren Ursprung liege in einer Reform, die den Priester zum Entertainer und das göttliche Altaropfer zu einem belanglosen Erinnerungsmahl gemacht habe".

Wo der Zeitgeist jedoch "Neo-Klerikalismus" und "vorkonziliares Gehabe" vermutet, geht es schlichtweg darum, dass gerade jüngere Priester die Fülle der katholischen Tradition wiederentdecken, ein Gut, das ihnen in der Seminarausbildung größtenteils vorenthalten wurde. Hier tut Aufklärung - auch in den Gemeinden - not.

Verbündete für ihr Anliegen dürften junge Priester besonders in der älteren Generation, bei Fernstehenden und bei der Jugend finden: Bei den älteren Gemeindemitgliedern, weil jene oftmals froh sind, in einer Kirche wieder heimisch zu werden, in denen jahrzehntelang als "altmodisch" und "abgeschafft" galt, was zu ihrer Beheimatung unerlässlich war. Die Fernstehenden, weil sie Verständnis dafür haben, dass die Kirche dem zersetzenden Pluralismus ein klares Profil entgegensetzt ("Wenn wir schon einen Pfarrer brauchen, dann wollen wir einen richtigen haben."). Die Jugend,. weil sie sich vorbehaltlos jenen Elementen öffnen kann, die für die "Generation der 68er" als Inbegriff klerikaler Machtausübung galt. Zu diesen Elementen zähle ich u.a. die Wiederentdeckung marianischer und eucharistischer Spiritualität sowie eine Renaissance der Einzelbeichte wie auch des Latein in der Messe, die Zelebration versus Deum und die Mundkommunion. Auch die unzweideutige Verkündung des katholischen Glaubens und der Moral, wie sie durch den derzeit regierenden Papst auf Weltjugendtagen geschieht, findet mehr Anklang bei den jungen Leuten, als es vielen Funktionären der kirchlichen Jugendarbeit lieb ist.

"Vernetzung"

Die modernen Formen der Kommunikation (insbesondere das Internet) sollten gerade von jenen Priestern, die eine Wiedergewinnung priesterlicher Identität anstreben, offensiver genutzt werden. Hierzu gehört es auch, das Kartell des Schweigens zu durchbrechen, mit den eigenen Ansichten und Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu treten (Leserbriefe, Kongresse, entsprechende Publikationen). Dieses Beispiel ermutigt andere Priester, ebenfalls aus der "Deckung" zu treten. Erfahrungsgemäß sind dies mehr Priester als man zunächst vermuten sollte, zumal viele Mitbrüder in ihrem Herzen zu dieser Sache stehen, jedoch durch den großen äußeren Druck oder durch den jahrelangen Kräfteverschleiß bereits in der Öffentlichkeit nicht mehr agieren. Die Vernetzung ermöglicht, dass sich Priester mit einem katholischen Profil zusammenfinden, um sich kennen zu lernen und gegenseitig zu stützen. "Ziel dieser Arbeit ist also nicht das Agieren als Gesellschaft oder Vereinigung, sondern die Stärkung des Einzelnen in seiner Arbeit vor Ort. Wenn der Einzelne durch die Zusammenkunft mit anderen Priestern in seiner Konsequenz, in seiner priesterlichen Treue oder auch in praktischen Fragen gestärkt wird, dann kommt dies dem Leib der Kirche als ganzer auch zugute" (Pfarrer Dr. Rodheudt).

Ausblick

Die Wiedergewinnung priesterlicher Identität ist kein Spezialgebiet, dem sich einige Priester nach Belieben annehmen können. Sie ist Antwort auf die eklatanten Missstände im kirchlichen Leben, wie sie oben kurz skizziert worden sind. Wer sich dazu verpflichtet, sein Priestertum gemäß den Weisungen des kirchlichen Lehramtes zu leben, ist kein "Außenseiter", auch dann nicht, wenn er von angesehenen Kreisen innerhalb der Kirche dazu gemacht wird. Zurzeit gehört er einer Minderheit an. Er sollte nicht vergessen, dass wesentliche Impulse auch in der Vergangenheit oftmals von kleinen, schlagkräftigen Gruppe ausgegangen sind.

"Was wir wissen, ist, dass wir in der Priesterweihe die Verpflichtung übernommen haben, unser Priestertum zu leben; und das wollen wir in Treue tun, selbst dann, wenn zur Zeit kirchliche Strukturen dem entgegenstehen. Abgesehen davon befinden wir uns ja in der Kirche in einem Raum, der eine Rechtsstruktur hat; hier haben wir immer noch genug Möglichkeiten, uns zur Wehr zu setzen" (Pfarrer Dr. Rodheudt)

Die Verpflichtung zur Wiedergewinnung priesterlicher Identität ist mit der Weihe jedem Priester übertragen worden. Wir leben diese Identität nicht gegen eine bestimmte Gruppe (Hierarchie, Pfarrgemeinde) und verstehen unseren Appell nicht als "Kampfansage". Vielmehr rufen wir Priester und Gläubige dazu auf, diesen Weg aktiv zu unterstützen: "Wenn sich diejenigen Priester, die die Missstände in der Kirche sehen und analysieren können, die die Krise in ihrem Herzen und in ihrem Verstand erfassen, nicht rühren, dann werden auch die Bischöfe auf Dauer keinen Mut besitzen, das Zepter endlich wieder in die Hand zu nehmen. Es ist von daher eine tröstlich Aussicht, die ... mit Optimismus weniger zu tun hat als mit christlicher Hoffnung, dass der mystische Leib der Kirche auf diese Weise wieder gesunden kann. Wir brauchen nicht eine Radikalkur als einzelne Priester, Gemeindepfarrer oder Ordensleute anzustrengen. Es genügt bereits, dasjenige Organ, das wir im Leib der Kirche betreuen, wieder zur Gesundung zu führen. So kann an vielen Stellen die Sanierung der Kirche vorangetrieben werden, ohne dass dabei eine großartige, gar revolutionäre Organisation notwendig wäre" (Pfarrer Dr. Rodheudt)

Die Zitate von Dr. Rodheudt stammen aus einem Interview mit der "Kirchlichen Umschau" vom März dieses Jahres.


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