DEMENZ
oder: Was macht den Menschen aus?

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Allenthalben werden die Probleme der alternden Gesellschaft diskutiert, wozu auch die Zunahme von Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer gehört.
Alle paar Wochen gibt es dazu Talkshows, auch in Spielfilmen wird die Thematik immer öfter aufgegriffen, manchmal sehr einfühlsam und menschlich, manchmal aber auch in sehr bedenklicher Art. Ich denke an einen Film, der mich schockierte, mit hochkarätigen Schauspielern. Es begann als Liebesromanze zwischen einem alten Mann und einer jungen Frau und  endete ziemlich brutal mit dem Giftbecher, der auf den Tisch kam.  - Euthanasie, der angeblich einfachste und billigste Ausweg aus der Demenz.

Kein Ausweg, sondern ein Holzweg der Unmenschlichkeit. Und doch wird er immer öfter und ganz offiziell beschritten in unseren Nachbarländern Holland und Belgien.
Hier müssen wir ganz wachsam sein – und brauchen eine starke Stimme der Kirche, damit sich nicht heimlich, still und leise die Kultur des Todes breitmacht, vor der Papst Johannes Paul zu warnen nicht müde wurde.

Für die meisten Menschen heute ist der Begriff  „Demenz“  ein Schreckenswort.
Warum eigentlich? Was ist mit den dementen Menschen? Sind sie keine vollwertigen Menschen mehr?
Frage: Was macht eigentlich den Menschen zum Menschen? Der Kopf? Der Verstand? Aber der ist zum Beispiel bei Neugeborenen und Kleinkindern noch nicht sehr entwickelt,  und trotzdem sind gerade sie für ihre Familien die kostbarsten menschlichen Wesen. Was also macht den Menschen aus? Das Hirn? Oder nicht vielmehr jene Mitte der Person, die die Bibel „Herz“ nennt? Jenes Zentrum in uns, wo wir Liebe empfangen und schenken. Dieses Herz hat auch die an Demenz leidende Person, wie alle kranken oder behinderten Menschen. Das heißt für uns: Wenn  wir den Zugang zum dementen Menschen suchen, müssen wir vor allem die Sprache des Herzens sprechen und nicht so sehr die Sprache des Kopfes. Die Sprache der Liebe  ist die eigentliche  und universale Menschheitssprache. Leider sind manchmal gerade die „normalen“ Menschen in dieser Sprache unbeholfen. Weil wir sie im Alltag zu selten verwenden.

Der Umgang mit hilfsbedürftigen, behinderten, alten, dementen Menschen ist insofern eine Chance für alle, in der Menschlichkeit zu wachsen und  in Dimensionen des Lebens hineinzufinden, die den engen Horizont unseres (Spatzen)Hirns weit übersteigen.

Grußwort zur Ausstellungseröffnung "Demenz sucht Nähe - gelebte Gefühle"
am 31. März 2014 in Schömberg.

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