Lamm

Prof. Dr. Marius Reiser

Jüdisch-christliche und moderne Apokalyptik



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  Ich hatte mich im Haus meines Großvaters Malal’el zum Schlafen gelegt, da hatte ich eine Vision: Ich sah, wie der Himmel zusammenbrach, schwand und auf die Erde stürzte. Und als er niederstürzte, sah ich: Die Erde wurde in einem großen Abgrund verschlungen, Berge hingen auf Bergen, Hügel sanken auf Hügel, hohe Bäume rissen sich los, wirbelten hinab und verschwanden im Abgrund. Da entrang sich mir ein Wort und ich rief: "Die Erde ist untergegangen!" Da weckte mich mein Großvater und fragte: "Was schreist du so, mein Sohn, und warum jammerst du?"[1]

  Dieser Angsttraum vom Weltuntergang steht in einer frühjüdischen Apokalypse, dem Buch Henoch. Der Text dürfte in der Mitte des 2. Jahrhunderts v.Chr. entstanden sein. Er beweist, daß es nicht ganz falsch ist, wenn wir heute mit dem Wort "Apokalypse" kosmische Katastrophen verbinden, die zum Weltuntergang führen. Und doch ist damit das Wesentliche dieser Literaturgattung, soweit sie jüdisch und christlich ist, nicht erfaßt. Was ist dieses Wesentliche? Wovon handeln die antiken Apokalypsen? Kann man sie mit modernen Apokalypsen vergleichen? Das sind die Leitfragen der folgenden Einführung. Es wird sich zeigen, daß das Wesentliche der Apokalyptik ein ganz bestimmtes Bild der Menschheitsgeschichte und ihres Zieles ist und daß sich dieses Bild charakteristisch unterscheidet von modernen Geschichtsbildern, die Gott und seine Vorsehung aus dem Spiel lassen wollen.

1. Ende gut, alles gut

  Beginnen wir mit der Frage: Woher kommt eigentlich das Wort "Apokalypse"? Den Ursprung dieses Worts kann man ganz genau angeben: Es ist das erste Wort des letzten Buchs der Bibel. Dieses beginnt mit den Worten: "Apokálypsis Jesou Christou" = "Offenbarung (oder Enthüllung) Jesu Christi". Das Wort "apokálypsis" bezeichnet hier also den Inhalt einer Enthüllung, die Jesus Christus dem Verfasser gemacht hat. Den Inhalt dieser Enthüllung oder Offenbarung bilden bekanntlich künftige Katastrophen, die von einer himmlischen Regie in Gang gesetzt werden; sie führen zum Untergang der alten und zur Geburt einer neuen Welt. Das Ganze wird in verschlüsselter Sprache geboten, mit einem phantastischen Aufwand von Bildern und Symbolen, die auf unvorbereitete Leser fremd und schwer verständlich wirken. Nun ist aber das letzte Buch der Bibel nicht das einzige, das diese Thematik und diesen Charakter hat; es gibt in der jüdischen und christlichen Tradition eine große Zahl von Schriften dieser Art. Und weil man keinen besseren Namen dafür finden konnte, nannte man sie "Apokalypsen". Unter "Apokalypsen" oder "apokalyptischer Literatur" versteht man also eine Art Enthüllungsliteratur, in der ein Stück der göttlichen Vorsehung enthüllt wird, kurz: solche Schriften, die eine ähnliche Thematik und einen ähnlichen Charakter haben wie die "Offenbarung" Jesu Christi an den Seher von Patmos, den die Ostkirche Johannes "den Theologen" nennt.

  Das Judentum hat vom 3. Jahrhundert v.Chr. an viele solche Schriften hervorgebracht, aber nur eine davon wurde in den jüdischen Kanon aufgenommen: das Buch Daniel. So enthält die christliche Bibel also zwei apokalyptische Bücher: das Buch Daniel im Alten und das Buch der Offenbarung im Neuen Testament. Nach dem 1. Jahrhundert n.Chr. verlor das Judentum jedoch das Interesse an der apokalyptischen Literatur weitgehend; die Überlieferung dieser Literatur geschah fast ausschließlich in christlichen Kreisen. Dort wurden die hebräischen und aramäischen Originale ins Griechische und Lateinische übersetzt und genossen oft hohe Wertschätzung. Das sogenannte 4. Buch Esra zum Beispiel ist uns nur noch in lateinischer Übersetzung erhalten, und zwar als Anhang zur lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata. Damit gilt dieses Buch zwar nicht als kanonisch, aber immerhin so wertvoll, daß es zusammen mit den kanonischen Schriften überliefert wird. Das Werk des 4. Esra hat diese Wertschätzung verdient, denn es ist "die sympathischste unter den Apokalypsen".[2] Ein anderes dieser Werke ist das Henochbuch, aus dem wir eingangs zitiert haben. Es ist eigentlich nicht ein Buch, sondern eine ganze Sammlung von Büchern und ist uns vollständig nur in äthiopischer Sprache erhalten, weil es die äthiopische Kirche in den Kanon aufgenommen und dort vor dem Buch Ijob plaziert hat. Es sind aber auch Teile einer griechischen Übersetzung gefunden worden und eine Reihe von aramäischen Fragmenten in den Höhlen von Qumran. Die Fülle der überlieferten Schriften dieser Art und die Textfunde in Qumran beweisen die Verbreitung und Bedeutung dieser Literatur und ihrer Gedankenwelt im vorchristlichen Judentum. Warum das Judentum diesen Teil seiner Tradition vom 2. Jahrhundert bis heute so stiefmütterlich behandelt hat, ist noch kaum erforscht. Die Gründe dafür dürften aber mit der Beliebtheit dieser Literaturgattung bei den Christen zusammenhängen.

  Versuchen wir nun, die sehr unterschiedlichen Werke dieser Literaturgattung noch etwas näher zu charakterisieren. Von einer einheitlichen literarischen Gattung kann streng genommen keine Rede sein; aber man kann doch einige Gemeinsamkeiten nennen, die die Gedankenwelt dieser Schriften betreffen, ihre theologisch-geschichtliche Konzeption und ihre literarische Darstellungsart.  Alle diese Werke haben einen erzählenden Rahmen und erheben darin den Anspruch, Offenbarungen wiederzugeben, die einer großen Autorität der Vergangenheit zuteil wurden: Henoch, Abraham, Baruch, Daniel, Esra usw. Darum sind sie durchweg pseudonym.  In diesem Punkt hat der Seher von Patmos allerdings mit der Tradition gebrochen. Er hat seine Offenbarung unter dem eigenen Namen veröffentlicht und spricht im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht als anonymer Literat, sondern als Prophet. Alle übrigen Charakteristika jedoch finden sich auch in seinem Werk wieder. So geht es in den Offenbarungen in der Hauptsache um die sogenannten Letzten Dinge: Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Die Theologen sprechen mit einem griechischen Wort von der Es’chata und der Es’chatologie. Das Herzstück der meisten Apokalypsen ist die Schilderung des Gerichts, das die Endzeit einleitet. Diese Endzeit und die Ereignisse, die sie heraufführen, wird immer als nahe oder schon angebrochen gedacht. Die Schilderung dieser Letzten Dinge wird gewöhnlich als Inhalt einer Vision dargestellt, eines Einblicks in den himmlischen Spielplan, in dem die bevorstehenden Ereignisse schon aufgenommen sind. Der himmlische Spielplan hat die künftigen Ereignisse natürlich nur in verschlüsselter Form verzeichnet. Deshalb wirken die Schilderungen dessen, was die Seher davon erzählen, wie allegorische oder symbolische Schauspiele mit oft surrealistischen Elementen, Schauspiele, die außerordentlich beziehungsreich und vieldeutig wirken und zumindest für Uneingeweihte ziemlich rätselhaft. Deswegen lassen die Autoren gern einen angelus interpres auftreten, einen Engel, der dem Seher und damit auch seinen Lesern das Geschaute erklärt. Natürlich erklärt der Deuteengel selten alles - das tun nicht einmal wissenschaftliche Kommentare ‑, und so bleiben die Leser oder Hörer über vieles im Unklaren. Aber genau die richtige Mischung aus Verständlichem und Rätselhaftem macht ja das Faszinierende einer guten symbolischen Geschichte aus, selbst wenn sie nicht göttlicher Eingebung, sondern menschlicher Phantasie entsprungen ist.

  Da es in den apokalyptischen Schriften um das Ziel der Geschichte und des Weltlaufs geht, geben sie oft einen gerafften Überblick über die Geschichte von der Schöpfung bis zum Jüngsten Tag. Dabei steht natürlich die Geschichte Israels im Mittelpunkt. Ein Beispiel finden wir im Buch der Traumvisionen, das wir schon eingangs kennengelernt haben. Die zweite Traumvision nach dem Traum vom Weltuntergang bietet eine Geschichte der Welt in Form einer Tierallegorie (1 Hen 85-90). Sie beginnt mit einem weißen Bullen, der aus der Erde hervorkommt, und einer Färse oder Kuh. Gemeint sind Adam und Eva. Die Sintflut beendet den ersten Teil der Geschichte. Im nächsten Abschnitt stehen Schafe im Mittelpunkt, die natürlich das Volk Israel symbolisieren. Wölfe, Raben und Geier stehen für verschiedene Feinde Israels. Es tauchen aber auch Elefanten, Kamele, Tiger, Löwen, Hyänen und Füchse auf; da sind "Hirten", die die Schafe töten und den Löwen und Tigern ausliefern, und da ist ein Schreiber - wohl der Erzengel Michael ‑, der alle Untaten sorgfältig notiert und sein Buch hinaufbringt zum "Herrn der Schafe". Dieser nimmt eines Tages seinen "Zornstab" in die Hand und schlägt damit auf die Erde. Dann stellt er seinen Thron auf und richtet anhand der Sündenregister des Schreibers alle Übeltäter. Schließlich erscheint der Messias in Gestalt eines weißen Bullen, wie schon Noach, Abraham und Isaak. Mit ihm leben die guten Schafe glücklich in dem schönen neuen Haus - gemeint ist der endzeitliche Tempel ‑, das ihnen ihr Herr bringt.

  Ein weiteres Beispiel eines solchen apokalyptischen Geschichtsüberblicks wollen wir etwas eingehender betrachten: die sogenannte Zehnwochenapokalypse (1 Hen 93,1.3-10; 91,11-17). Sie ist ebenfalls ein Bestandteil des Henochbuchs und heißt "Zehnwochenapokalypse", weil sie die gesamte Geschichte in zehn Perioden einteilt, die "Wochen" genannt werden. Sie entstand in der Makkabäerzeit, ungefähr zur selben Zeit wie das biblische Buch Daniel und das Buch der "Traumvisionen", also in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts v.Chr.[3]

Die Zehnwochenapokalypse

  Das schrieb Henoch, der Schreiber der Gerechtigkeit, weisester der Menschen, Auserwählter der Erdensöhne, um ihre Taten zu richten: Für alle meine Kinder und für kommende Geschlechter, für alle, die auf Erden wohnen und deren Taten Rechtschaffenheit und Friede sein werden.

 1. Ich, Henoch, bin als der Siebte (vgl. Gen 5,1-18; Jud 14) in der ersten Woche geboren worden. Bis zu mir dauerte noch die Gerechtigkeit.

 2. Nach mir, in der zweiten Woche, werden Lüge und Gewalttat aufsprossen. In ihr wird das erste Ende (= die Sintflut) sein, und ein Mann (= Noach) wird darin gerettet werden. Ist aber das Ende vorbei, wird die Ungerechtigkeit wieder zunehmen, und für die Sünder wird ein Gesetz gemacht werden.

 3. Danach, am Ende der dritten Woche, wird ein Mann als Pflanze der rechten Satzung erwählt werden (= Abraham), und nach ihm wird die ewige Pflanzung der Gerechtigkeit (= Israel) hervorgehen.

 4. Danach, am Ende der vierten Woche, werden die Gesichte der Heiligen und Gerechten geschaut werden, und ein Gesetz wird für alle kommenden Geschlechter hergestellt werden (= Tora vom Sinai) und ein Hof (?) für sie.

 5. Danach, am Ende der fünften Woche, wird der Tempel der Königsherrschaft des Großen für immer gebaut.

 6. Darauf, in der sechsten Woche, werden alle in ihr Lebenden erblinden, und die Herzen aller werden gottlos die Weisheit verlassen. Ein Mann wird darin auffahren (= Elia). An ihrem Ende wird das Heiligtum mit Feuer verbrannt (= 587 v.Chr.) und das ganze Geschlecht der auserwählten Wurzel zerstreut werden.

 7. Danach, in der siebten Woche, wird sich ein abtrünniges Geschlecht erheben; zahlreich werden seine Taten und alle seine Taten werden Abfall sein. An ihrem Ende werden die Erwählten zu Zeugen der Gerechtigkeit aus der ewigen Pflanzung der Gerechtigkeit auserwählt werden; ihnen wird siebenfache Weisheit und Kenntnis übergeben werden. Um ihretwillen reißt man die Fundamente der Gewalttat und des Lügenwerks in ihr aus, um das Gericht zu vollstrecken (= Beginn der makkabäischen Kämpfe, Zeit des Verfassers).

 8. Danach beginnt die achte Woche, die der Gerechtigkeit. In ihr wird allen Gerechten ein Schwert verliehen, damit sie an den Bedrückern das gerechte Gericht vollstrecken; sie werden in ihre Hände überliefert werden. Und an ihrem Ende werden sie Besitz in Gerechtigkeit erwerben, und der Tempel der Königsherrschaft des Großen wird großartig gebaut werden für alle Geschlechter auf ewig.

 9. Danach die neunte Woche: Darin werden allen Söhnen der Erde Gerechtigkeit und rechte Satzung geoffenbart werden. Alle, die gottlose Taten vollbringen, werden von der ganzen Erde verschwinden und in die ewige Grube gestoßen werden. Und alle Menschen werden auf den Weg der ewigen Wahrheit schauen.

10. Danach, in der zehnten Woche, im siebten Teil, wird das ewige Gericht stattfinden. Das ist auch der Zeitpunkt des großen Gerichtes an den Wächtern des Himmels (= gefallene Engel, vgl. Gen 6,4). Der erste Himmel wird in ihr vergehen und ein neuer Himmel wird erscheinen; dann werden alle Kräfte des Himmels aufstrahlen und leuchten auf immer, siebenfach.

  Danach wird es viele Wochen geben, deren Zahl ohne Ende ist in Ewigkeit. Güte und Gerechtigkeit werden herrschen, und die Sünde wird von da an nicht mehr erwähnt werden bis in Ewigkeit.

  Diese Miniaturapokalypse wird Henoch in den Mund gelegt, der nach Gen 4,18 in der siebten Generation nach Adam lebte und ohne zu sterben von Gott in den Himmel entrückt wurde (Gen 4,24). Darum wird die gesamte Geschichte ab der zweiten "Woche" im Futur geschildert. Die "Wochen" umfassen im Fall der ersten bis zur siebten "Woche" etwas ungleiche Perioden, die nur sieben Generationen umfassen können oder ungefähr 700 Jahre. Der Verfasser charakterisiert jede dieser "Wochen" ganz knapp und hebt die bedeutendsten Ereignisse und Entwicklungen hervor. Namen nennt er - außer dem eigenen - keine, aber die wichtigsten Personen und Ereignisse sind leicht identifizierbar. Die Personenauswahl ist sehr streng: Henoch, Noach, Abraham und Elia. Nicht einmal Mose findet Erwähnung.[4] Die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse seit der Sintflut sind für den Verfasser offenbar der Bau und die Zerstörung des Tempels. Entscheidend bestimmt wird die ganze Geschichte jedoch durch die Befolgung oder Nichtbefolgung des Gesetzes vom Sinai. Ungerechtigkeit, Sünde und Abfall vom Gesetz sind für den Autor eins. Die Diagnose dieses Abfalls ist Sache der erwählten "Zeugen der Gerechtigkeit", die Gott mit Weisheit begabt hat. Mit ihnen sind wahrscheinlich fromme Gelehrte gemeint, zu deren Kreis der Verfasser selbst gehört haben dürfte. Näheres wissen wir darüber nicht. Der Abfall vom Gesetz führt konsequent zum großen Gericht, das Gott, teilweise durch die Hand der "Gerechten", vollstreckt; "die Fundamente der Gewalttat und des Lügenwerks" werden ausgerissen und es beginnt ein blutiger Krieg gegen die "Bedrücker". Die Forschung ist sich einig, daß der Autor hier auf die Makkabäerkriege anspielt, die Zeit in der er selbst lebt. Er betrachtet also die zeitgenössischen Ereignisse als Auftakt des Jüngsten Gerichts. Dieses Gericht soll in der achten und neunten "Woche" stattfinden und erfaßt in der zehnten auch die gefallenen Engel. Nach der Beseitigung der Bösen erscheint der neue Himmel und damit wird erreicht, daß es nicht weitergeht wie nach dem "ersten Ende", der Sintflut, als die Ungerechtigkeit aufs neue ihren Lauf nahm. Der neue Himmel bringt es mit sich, daß "Güte und Gerechtigkeit" herrschen und "die Sünde" nicht mehr erwähnt wird. Der Ort dieses glücklichen Lebens ist im Unklaren gelassen, zumal nur ein neuer Himmel, aber keine neue Erde erwähnt wird. Aber vermutlich denkt der Verfasser doch an eine irgendwie erneuerte Erde als Heilsort.

  Die Zehnwochenapokalypse ist ein typisches Beispiel für das jüdische Geschichtsbild, dessen Grundzüge auch das Christentum übernommen hat. Charakteristisch für dieses Geschichtsbild sind drei Elemente: 1. Das erste Element ist die Überzeugung, daß die Geschichte auf ein Ziel ausgerichtet ist, das ihr Gott selbst gesetzt hat. Dieses Ziel ist das Leben in Güte und Gerechtigkeit für alle. 2. Das zweite Grundelement des jüdisch-christlichen Geschichtsbilds ist die Überzeugung, daß Menschen, die nur ihren eigenen Willen durchsetzen wollen, in ihrer Eigensucht dem Bösen verfallen, andere bedrücken und schamlos für ihre Zwecke ausnützen. Das Ziel der Geschichte kann deshalb nur erreicht werden, wenn alle sich dem Willen Gottes fügen. Denn allein Gott hat das Wohl der ganzen Welt im Auge. 3. Das dritte Grundelement ergibt sich logisch aus dem zweiten: Weil das Glück aller den Gehorsam gegen den voraussetzt, der allein das Glück aller im Auge hat, muß dem Ziel der Geschichte notwendig ein Gericht Gottes vorausgehen, in dem alles, was sich diesem Gehorsam verweigert, besiegt wird, das Böse vernichtet und die Sünde mit der Wurzel ausgerissen wird. Deshalb ist das Gericht in den meisten jüdisch-christlichen Apokalypsen die Hauptsache.

2. Eine gescheiterte Erziehung

  Die Vorstellung, daß die Geschichte in einer linearen Entwicklung auf ein künftiges Ziel zuläuft und daß sie Fehlentwicklungen aufweist, die konsequent in die Katastrophe bzw. zum göttlichen Gericht führen, ist durchaus nicht selbstverständlich, wie etwa ein Vergleich mit der chinesischen Geistesgeschichte zeigen kann. Dort ist der Blick viel stärker in die Vergangenheit gerichtet; in ihr sucht man das Glück viel eher als in der Zukunft. So kommt es, daß der Gedanke einer Erneuerung und Rückkehr zur guten alten Ordnung in der chinesischen Geistesgeschichte eine große Rolle spielt, während sich die Vorstellung von einem künftigen Ziel der Geschichte in China nie richtig durchsetzen konnte.[5] Auch im Islam spielt der Gedanke einer Periodisierung der Geschichte auf ein Ziel hin nur eine ganz marginale Rolle.[6] Das europäische Geschichtsdenken dagegen ist tief geprägt von der jüdisch-christlichen Konzeption, so tief, daß sie selbst dort nicht aufgegeben wird, wo man sich vom Christentum längst losgesagt hat. Das möchte ich verdeutlichen an einem Text, der wie die Zehnwochenapokalypse eine Miniaturapokalypse darstellt mit einem periodisierenden Geschichtsüberblick vom Urbeginn bis zum nahe bevorstehenden Ende. Der Verfasser dieser Miniaturapokalypse ist Günter Grass; es handelt sich dabei um ein Gedicht aus dem Roman "Die Rättin".[7]

Unser Vorhaben hieß: Nicht nur, wie man mit Messer
und Gabel, sondern mit seinesgleichen auch,
ferner mit der Vernunft, dem allmächtigen Büchsenöffner
umzugehen habe, solle gelernt werden
nach und nach.

Erzogen möge das Menschengeschlecht sich frei,
jawohl, frei selbstbestimmen, damit es,
seiner Unmündigkeit ledig, lerne, der Natur behutsam,
möglichst behutsam das Chaos
abzugewöhnen.

Im Verlauf seiner Erziehung habe das Menschengeschlecht
die Tugend mit Löffeln zu essen, fleißig den Konjunktiv
und die Toleranz zu üben,
auch wenn das schwerfalle
unter Brüdern.

Eine besondere Lektion trug uns auf,
den Schlaf der Vernunft zu bewachen,
auf daß jegliches Traumgetier
gezähmt werde und fortan der Aufklärung brav
aus der Hand fresse.

Halbwegs erleuchtet mußte das Menschengeschlecht
nun nicht mehr planlos im Urschlamm verrückt spielen,
vielmehr begann es, sich mit System zu säubern.
Klar sprach erlernte Hygiene sich aus: Wehe
den Schmutzigen!

Sobald wir unsere Erziehung fortgeschritten nannten,
wurde das Wissen zur Macht erklärt
und nicht nur auf Papier angewendet. Es riefen
die Aufgeklärten: Wehe
den Unwissenden!

Als schließlich die Gewalt, trotz aller Vernunft,
nicht aus der Welt zu schaffen war, erzog sich
das Menschengeschlecht zur gegenseitigen Abschreckung.
So lernte es Friedenhalten, bis irgendein Zufall
unaufgeklärt dazwischenkam.

Da endlich war die Erziehung des Menschengeschlechts
so gut wie abgeschlossen. Große Helligkeit
leuchtete jeden Winkel aus. Schade, daß es danach
so duster wurde und niemand mehr
seine Schule fand.

  Dieses Gedicht schildert das Scheitern eines großen Erziehungsprogramms: das Scheitern der Erziehung des Menschengeschlechts durch Vernunft und Aufklärung. Die ersten vier Strophen umreißen das Programm, die letzten vier Strophen das Scheitern des Programms in drei Etappen. Die erste Etappe führt vom "Urschlamm" zur "Hygiene", die zweite von der Hygiene zur Aufklärung. Die dritte Etappe offenbart das Versagen der Vernunft angesichts der Gewalt. Grass erteilt ein Orakel - oder ist es nur eine Prognose? ‑, denn er blickt, trotz des beibehaltenen Präteritums, in die Zukunft: Das Friedenhalten durch Abschreckung führt in die atomare Vernichtung, weil "irgendein Zufall unaufgeklärt dazwischen kam".

  "Die Erziehung des Menschengeschlechts" ist ein Leitwort des ganzen Romans; es fällt schon im ersten Satz. Grass spielt damit auf die berühmte Schrift Gotthold Ephraim Lessings an, die diesen Titel trägt. In 100 Paragraphen schildert Lessing darin, wie er sich diese Erziehung des Menschengeschlechts vorstellt. Er teilt sie ebenfalls in drei Etappen ein: Die erste Etappe ist die Menschheitsgeschichte bis zum Auftreten Christi, eine Art schulische Unterstufe, deren Lehrbuch - Lessing sagt: "Elementarbuch für Kinder" (§ 26) - das Alte Testament ist. Mit Christus beginnt die Mittelstufe; ihr Lehrbuch - Lessing sagt: "das zweite bessere Elementarbuch" (§ 64) - ist das Neue Testament. Die Oberstufe, die noch nicht erreicht ist, nennt Lessing nach Offb 14,6 die Zeit des "neuen ewigen Evangeliums" (§ 86). Sie wird kein Lehrbuch mehr benötigen, denn in ihr wird der menschliche Verstand "zu seiner völligen Aufklärung gelangen und diejenige Reinigkeit des Herzens hervorbringen", die das Gute einfach deshalb tut, weil es das Gute ist, "nicht weil willkürliche Belohnungen darauf gesetzt sind" (§ 80.85). Werden wir diese Oberstufe je erreichen? "Gewiß!", sagt Lessing.

  Grass dagegen ist skeptisch. Er bezweifelt, daß die Menschheit das Ziel der Geschichte auf dem Weg der Erziehung und Aufklärung erreicht. Es ist ja auch eine merkwürdige Erziehung: Wer ist dabei Erzieher oder Erzieherin? Schon Lessing blieb in diesem Punkt vage: Nach ihm ist es Gott, die "ewige Vorsehung" (§ 91) oder "die Natur" (§ 84). Alle drei kommen für Grass nicht mehr in Frage. Bei ihm ist die Erziehung ganz subjektlos; es ist eine Erziehung ohne Erzieher, eine Aufklärung ohne Aufklärer. Die "besondere Lektion", die uns aufträgt, "den Schlaf der Vernunft zu bewachen", hat keinen, der sie erteilt; "erlernte Hygiene" spricht "sich" in einem Wehe-Ruf aus (übrigens eine typisch apokalyptische Formel). Das Ganze ist einfach "unser Vorhaben", die Menschheit erzieht sich selbst. Und wie Münchhausen sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht, so zieht sich das Menschengeschlecht bei Grass an der eigenen Vernunft aus dem "Urschlamm". Nur mit der Gewalt wird diese Vernunft schließlich nicht fertig; so scheitert das "Vorhaben". Dennoch sieht Grass keine Alternative zum Programm der Aufklärung; er ist ratlos, wie er in anderem Zusammenhang offen zugibt. Er hofft, daß der "schöne Traum", von dem der Schluß seines Romans spricht: "... diesmal wollen wir füreinander und außerdem friedfertig, hörst du, in Liebe und sanft, wie wir geschaffen sind von Natur ...", daß dieser Traum doch noch wahr wird. Wie das geschehen soll, woher die Anleitung und die Kräfte zu diesem Füreinander in Liebe kommen sollen, weiß er nicht.[8]

3. "Das große Welttheater"

  So rat‑ und hoffnungslos, wie er selbst ist, läßt Günter Grass auch die Leser zurück. Das hängt mit seiner Konzeption der Geschichte zusammen. Denn er konzipiert eine Geschichte des Menschengeschlechts, die Gott aus dem Spiel lassen will. Aber was ist die Geschichte, wenn man Gott aus dem Spiel läßt? Ein Drama, das weder Autor noch Regisseur hat, in dem niemand weiß, was gespielt wird, und alle Rollen beliebig sind. Dann gilt, was Shakespeares Macbeth einmal vom Leben des einzelnen sagt, von der Geschichte insgesamt: It is a tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing: "Es ist eine Geschichte, wie sie ein Irrer erzählt, voller Wildheit und Lärm, ohne jeden Sinn."[9]

  Eine solche Geschichte kann nur in der Katastrophe enden oder wie das Hornberger Schießen. Und ich sehe grundsätzlich nur drei mögliche Haltungen, die man ihr gegenüber einnehmen kann: die erste ist die Haltung der Verzweiflung und Resignation; die zweite ist die Haltung von Camus’ Sisyphos: das sinnlose Tun immer wieder neu aufnehmen; die dritte ist jene Haltung, die heute am verbreitetsten zu sein scheint: Gleichgültigkeit nach dem Motto: "Mach das Beste draus!" Keine dieser Haltungen ist christlich. Und da mir der Glaube, die Menschheit könne sich an der Vernunft aus dem Schlamassel ziehen wie Münchhausen an seinem Zopf, nicht besonders rational scheint, ist es vielleicht nicht unvernünftig, die apokalyptische Konzeption der Geschichte, die sich auf Offenbarung beruft, neu in Betracht zu ziehen. Darum möchte ich zum Schluß noch einmal die jüdisch-christliche Konzeption der Geschichte entwickeln, und dabei eine alte Metapher zu Hilfe nehmen, die bereits in der Überschrift zu diesem Abschnitt genannt ist: die Geschichte als großes Drama auf dem Theater der Welt.[10]

  Nach jüdischer und christlicher Überzeugung waltet im Leben des einzelnen wie in der Geschichte Gottes Vorsehung, auch wenn ihre Ratschlüsse notorisch unergründlich und ihre Absichten oft genug undurchschaubar sind. Gott ist als der Schöpfer dieser Welt auch der Herr ihrer Geschichte; er hat dieses große Drama in Gang gesetzt und ist dabei gleichsam Autor und Regisseur in einer Person, ja er tritt in seinem Stück sogar selbst als Darsteller auf; in Jesus von Nazaret betritt er in eigener Person die Bühne des Weltgeschehens. Gott hat freilich keinen fertigen Text geschrieben, nach dem gespielt werden muß, denn seine Darsteller sind keine Figuren oder Marionetten, sondern freie Personen, denen er als Regisseur viel Spielraum läßt. Immerhin hat er ihnen doch eine gewisse Idee ihrer Rolle, des Stücks und seines beabsichtigten Schlusses vermittelt. Rollen gibt es in diesem Drama nur in begrenzter Auswahl, dafür aber in unendlichen Variationen.

  Diese ganz und gar jüdisch-christliche Sicht des Weltgeschehens ist in unübertroffener Weise dargestellt in Calderóns "Großem Welttheater" (Erstdruck 1655).[11] Calderón kommt darin mit elf dramatis personae aus, und mehr benötigten wir auch heute nicht. Da ist der Schöpfer der Welt, der als Autor auch bestimmt, was gespielt wird und als Regisseur die Rollen verteilt. "Die Welt" als Schauplatz des Dramas ist selbst Figur im Drama. Auf ihrer Bühne agieren neben der Schönheit und der geistlichen Weisheit der König, der Reiche, der Bauer, der Arme und ein Kind. Das Wesen ihres Agierens ist Darstellung (representación), auch wenn sie meinen, es sei Leben.[12] Als Darstellung hat das Leben des einzelnen seinen Sinn nicht in sich selbst, sondern erhält ihn durch die zugewiesene Rolle, die es im Ganzen des Stücks zu spielen hat. Die einzige Aufgabe, die die Darsteller haben, ist ihre Rolle gut zu spielen.

  Als Souffleur dient den Spielern "das Gesetz der Gnade", das ihnen, wenn sie nicht weiter wissen, immer wieder zuflüstert, worum es geht: "Seinen Nächsten lieben wie sich selbst" und "Gut handeln, denn Gott ist Gott". Das genügt; mehr hat der Souffleur nicht zu sagen. Eine traurige Stimme singt das Lied von Vergänglichkeit und Tod. Es erklingt immer dann, wenn die Darsteller abtreten müssen, um von der Bühne des Scheins (Teatro de las ficciones) hinüberzuwechseln auf die Bühne der Wahrheit (Teatro de las verdades) (VV. 1387f). Und was ist der Sinn und Zweck des ganzen Spiels? Es ist ein Feststück zur Verherrlichung der Größe und Macht des Schöpfers (VV. 39-42).

  Das also ist das Drama des Lebens und der Weltgeschichte, in dem wir alle mitspielen, und das wir je nachdem als Tragödie, Komödie oder Farce erleben. Gleich zu Anfang von Calderóns Stück gibt "die Welt" einen Überblick über ihre Geschichte, die in drei Akte eingeteilt wird (VV. 99-224). Der erste Akt endet - wie könnte es anders sein - mit der Sintflut. Der zweite Akt ist die Zeit des "Geschriebenen Gesetzes" (V. 169). Er endet wiederum mit einer kosmischen Katastrophe: der Sonnenfinsternis beim Tod Christi am Kreuz und einem großen Erdbeben (vgl. Mt 27,51). Zu einem dritten Akt kommt es nur durch das Wunder der Auferstehung Christi. Dieser Akt, die Zeit "des Gesetzes der Gnade" (V. 203), dauert noch an. Aber irgendwann wird der letzte Auftritt sein. Denn wird das Stück enden, wie es sich für ein Festspiel gehört: mit einem großen "Feuerwerk" (V. 214). Der Gedanke an dieses "Feuerwerk" läßt "die Welt" allerdings schaudern und sie hofft, daß diese Szene, "dieser furchtbar harte Schluß" sich noch hinausziehe, "so weit, daß keines der künftigen Jahrhunderte sie je zu sehen bekommt" (VV. 221-224).

  Auch wenn die Welt hofft, daß es nie stattfinden möge: Das abschließende "Feuerwerk" des Jüngsten Gerichts ist unausweichlich, denn am Ende muß entschieden werden, ob die Darsteller ihre Rolle gut gespielt haben und damit würdig sind, zum ewigen Gastmahl des Schöpfers gerufen zu werden. In Calderóns Stück wie im Christentum überhaupt ist der Sinn des Gerichtsgedankens, die Darsteller an ihre Aufgabe zu erinnern und an die Verantwortung, die mit jeder Rolle verbunden ist. Das Erinnern daran übernimmt im konkreten Fall der "Souffleur", der die Stimme des Gewissens und damit die Stimme des "Autors" und Richters selbst ist. Es ist also nicht beliebig, wie man seine Rolle spielt; denn jede Rolle will gut gespielt sein und gehört zum Ganzen. Und im Wissen darum, was gespielt wird und für wen, kann uns auch "der furchtbar harte Schluß" vor dem Fallen des Vorhangs nicht in Verzweiflung treiben. Ohne diesen Schluß würde es ja nie zu dem kommen können, was am Ende der Zehnwochenapokalypse steht: "Güte und Gerechtigkeit werden herrschen, und die Sünde wird von da an nicht mehr erwähnt werden bis in Ewigkeit" (1 Hen 91,17).

  Ich will schließen mit den drei letzten Strophen eines Gedichts von Joseph von Eichendorff. Das Gedicht trägt den Titel "Weltlauf" und spricht von der Zeit unter dem Bild eines Turmes mit einer Turmuhr:

Wie im Turm der Uhr Gewichte
Rücket fort die Weltgeschichte,
Und der Zeiger schweigend kreist,
Keiner rät, wohin er weist.

Aber wenn die ehrnen Zungen
Nun zum letztenmal erklungen,
Auf den Turm der Herr sich stellt,
Um zu richten diese Welt.

Und der Herr hat nichts vergessen,
Was geschehen, wird er messen
Nach dem Maß der Ewigkeit -
O wie klein ist doch die Zeit!

 

 

 


Marius Reiser

 

 

Weltgeschichte und Weltgericht

 

                                         "Ich sage Euch die Wahrheit, das ist ... das Ende der Geschichte, das Ende des Klassenkampfes, das Ende der Philosophie, der Tod Gottes, das Ende der Religionen, das Ende des Christentums und der Moral (was die größte Naivität war), das Ende des Subjekts, das Ende des Menschen, das Ende des Abendlandes, das Ende des Ödipus, das Ende der Welt, Apocalypse now, ich sage Euch, in der Sintflut, dem Feuer, dem Blut, dem erderschütternden Beben, dem Napalm, das aus Hubschraubern vom Himmel fällt, so wie die Prostituierten, und dann auch das Ende der Literatur, das Ende der Malerei, der Kunst, als Sache der Vergangenheit, das Ende der Psychoanalyse, das Ende der Universität, das Ende des Phallozentrismus und was weiß ich noch alles."

                                         Das schreibt Jacques Derrida in einer Arbeit mit dem Titel: "Von einem neuerdings erhobenen apokalyptischen Ton in der Philosophie." Ich hingegen will mich nicht in philosophischen Erwägungen verlieren. Ich will mich des Solotanzes auf einer Stecknadelspitze enthalten, wozu ohnehin nur die Engel befähigt sind. Statt dessen will ich mich an die Ursprungsbedeutung des Wortes Apokalypse halten. Gemeint ist ja "Offenbarung". Den Bedeutungswandel zu Katastrophe, zu Weltuntergang hat das Wort erst später erfahren. Freilich kann ich nicht von göttlicher Offenbarung sprechen wie Johannes, dem Gott selber den Text seiner Vision in die Feder diktiert hat. Gott ist verstummt, wie wir wissen, und hat sich von uns abgewandt, da wir es unternommen haben, uns an seine Stelle zu setzen. Und wir haben es geschafft. Die von uns erzeugten Wunder sind erstaunlicher als die einst von ihm verursachten. Ja, sie sind eigentlich gar keine Wunder mehr, sondern nur noch gelungene Problemlösungen im Reich der Naturwissenschaften. Die Wiedererweckung der Toten findet längst auf den Intensivstationen unserer Kliniken statt. Und Blinde sehen und Lahme gehen zu machen erreicht die mit der Medizintechnik verbündete Chirurgie am laufenden Band. Wir erheben uns in die immer leerer werdenden Himmel. Wir psychiatrieren von Dämonen Besessene. Purgatorium und Inferno stellen wir mittels Atomkraft her. Und wenn wir wollten, so könnten wir mit einem Knopfdruck die ganze Schöpfung verschwinden lassen, und zwar in weniger als sieben Tagen oder sieben Stunden. Nichts ist uns unmöglich, oder doch fast nichts. Wie sollten wir uns da nicht für gottgleich halten?

  So beginnt der Schriftsteller Günter Kunert einen Aufsatz mit dem Titel: "Zur Apokalypse. Eine Strafpredigt", erschienen in der "Neuen Rundschau" 1990.[13] Der Aufsatz ist eine glänzend geschriebene Absage an die moderne Kultur und Zivilisation, in der sich der Mensch an die Stelle Gottes gesetzt hat und die darum auch Religion und Kirche nicht mehr nötig hat. Freilich führt diese vollständige Okkupation der Stelle Gottes durch den Menschen in die Katastrophe. Einen Hoffnungsschimmer sieht Kunert nirgends, es sei denn, man gebe sich der kindischen Hoffnung auf außerirdische Wesen hin, "daß wenigstens sie unmenschlich seien. Denn von Menschen," - und damit schließt der ganze Aufsatz - "egal von woher, ist nichts mehr zu erwarten."

  Diese Einsicht, die bei Günter Kunert am Schluß steht, ist für den Seher von Patmos sozusagen der Ausgangspunkt seiner Prophetie. Was soll er noch von Menschen erwarten? Selbst seinen Mitchristen muß er harte Vorwürfe machen: Die Christen in Sardes, so schreibt er, gelten als lebend und sind geistlich tot (3,1). Die Christen in Laodizea sind stolz auf ihren Reichtum, aber in ihrem ganzen Reichtum sind sie "arm, blind und nackt" (3,17), weil ihr Glaube "weder kalt noch heiß" ist. "Also, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund!" (3,16) Der so spricht, ist der einzige, von dem der Seher noch etwas erwartet: Christus, der auch den vertritt, der von sich sagen kann: "Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der Allherrscher!" (1,8)

  Was erwartet der Seher von diesem "Allherrscher" (Pantokrator)? Wozu soll er kommen? Zunächst einmal zum Gericht, und zwar bald. Denn nur das göttliche Gericht kann weltweit "reinen Tisch machen", wie wir sagen, und so die Voraussetzung für einen Neuanfang schaffen. All die Schrecken und Katastrophen, die im letzten Buch der Bibel geschildert werden, sind Teil des großen Gerichts, das Gott hält; aber ohne dieses Gericht könnte er am Schluß nicht verkünden: "Siehe, ich mache alles neu!" (21,5) Das Gericht ist also ein Vorletztes, aber ein notwendiges, unumgängliches Vorletztes.

  Um diese Funktion des Gerichts deutlich zu machen, beginnt der Verfasser der Apokalypse gerade nicht mit der Schilderung des Gerichts und seiner Schrecken, sondern mit etwas ganz anderem. Auf die Eröffnung seines Buchs im 1. Kapitel folgen im 2. und 3. Kapitel Briefe oder "Sendschreiben", wie sie gern genannt werden. Diese sieben Sendschreiben richten sich an sieben Stadtgemeinden in Kleinasien, um die dortigen Christen zu ermutigen und zu warnen; ich habe schon daraus zitiert. Jedes dieser Schreiben enthält gegen Ende einen "Überwinderspruch",[14] z.B.: "Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens" (2,7). Oder "Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden vom zweiten Tod" (2,11). Oder: "Wer überwindet, wird in weiße Gewänder gekleidet werden und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens" (3,5).

  Auf die sieben Sendschreiben läßt der Seher immer noch nicht seine Schreckensvisionen folgen; stattdessen versetzt er seine Leser zuerst einmal in den Himmel. Denn alles Irdische hat letztlich himmlische Ursachen und muß vom Himmel her gesehen werden. Darum beginnt auch das Geschehen der Apokalypse im Himmel. Betrachten wir diese grandiose himmlische Szene etwas näher.

1. "Der war und der ist und der kommt"

  Danach sah ich, und siehe eine Tür war geöffnet im Himmel, und es erscholl die erste Stimme, die ich wie eine Fanfare zu mir reden gehört hatte: "Steig hier herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen muß!" Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer, und der auf ihm saß war dem Aussehen nach wie ein Jaspisstein und Sarder, und ein Regenbogen rings um den Thron, dem Aussehen nach wie ein Smaragd. Und rings um den Thron vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze. Von dem Thron gehen Blitze, Stimmen und Donner aus, und sieben feurige Fackeln brennen vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron etwas wie ein gläsernes Meer, wie Kristall. Und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten. Und das erste Lebewesen wie ein Löwe, das zweite Lebewesen wie ein Stier, das dritte Lebewesen mit einem Gesicht wie ein Mensch, das vierte Lebewesen wie ein fliegender Adler. Und die vier Lebewesen haben jedes einzelne von ihnen sechs Flügel, ringsum und innen voller Augen, und ruhelos rufen sie Tag und Nacht: "Heilig, Heilig, Heilig, ist der Herr, Gott, der Allherrscher, der war und der ist und der kommt!" (4,1-8)

  Der Seher soll schauen, "was danach geschehen muß".[15] Diese Formulierung finden wir schon im ersten Satz des Buches als Inhaltsangabe des Ganzen: "Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott geschenkt hat, um seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen muß". Es gibt also Geschehnisse, die unumgänglich notwendig sind, damit die Geschichte an ihr Ziel kommen kann. Das ist die Überzeugung aller biblischen Autoren des Alten wie des Neuen Testaments.[16] Der Geschichtsprozeß ist vom planvollen Walten Gottes gesteuert und gelenkt - "Der Mensch denkt und Gott lenkt", wie es im Sprichwort heißt ‑, und allein dieses planvolle Walten, auch Vorsehung genannt, gibt dem Geschichtsprozeß seinen Sinn und seine Einheit. Aber bevor der Seher schaut, was noch "geschehen muß", schaut er, was von jeher war und immer so sein wird: Gottes souveräne Herrschaft über alles.

  Die Versinnlichung dieses Sachverhalts erfolgt mit Motiven und einem Anschauungsmaterial, das uns heute kaum noch vertraut ist; und doch macht diese Schilderung auch nach 2000 Jahren noch Eindruck, nicht zuletzt durch die Kunst, mit der sie gestaltet ist. Der Erzähler lenkt unseren geistigen Blick wie ein guter Kameramann, zuerst auf den Thron, dann auf den, der auf ihm sitzt. Und bei dieser feierlichen Umschreibung Gottes: "der auf dem Thron Sitzende" bleibt er durchgehend. Auch die folgenden Angaben gehen immer von dem Thron als Bezugspunkt aus und werden von ihm her geortet. So befindet sich das "gläserne Meer" "vor dem Thron". Dieses Kristallmeer vermittelt einen Eindruck von der Majestät und Größe der geschilderten Welt ebenso wie die vom Thron ausgehenden "Blitze, Stimmen und Donner", die zudem an die Gotteserscheinung am Sinai erinnern sollen (Ex 19,16). Dazu kommt noch der farbige Lichtglanz, gleichsam die "Ausstrahlung" Gottes, die durch die Edelsteine angedeutet wird: die verschiedenen Farben des Jaspis, das Rotbraun des Sarders und das Grün des Smaragds, das den Thron einfaßt "wie ein Regenbogen".

  Rings um den himmlischen Thron gruppiert sich der himmlische Hofstaat. Zu ihm gehören die 24 Ältesten; sie haben die Aufgabe, Gott anzubeten und die Gebete der Heiligen vor ihn zu tragen (5,8). Die sieben Fackeln symbolisieren Geistwesen, die zur Aussendung bereitstehen (5,6). Geistwesen oder Engel sind auch die vier Lebewesen mit sechs Flügeln, wie sie nach Jes 6,2 die Seraphim haben. Der Gestalt nach gleicht eines der Lebewesen einem Löwen, eines einem Stier, eines einem Menschen und eines einem fliegenden Adler. Damit werden wir auf eine andere berühme Vision der göttlichen Macht verwiesen, die auch sonst auf Johannes eingewirkt hat: die Vision Ezechiels vom himmlischen Thronwagen, die der Prophet im 1. Kapitel seines Buches schildert. Ezechiel beschreibt hier vier gleichaussehende Wesen mit jeweils vier Gesichtern, einem Löwen‑, einem Stier‑, einem Menschen‑ und einem Adlergesicht. Sie fungieren als Thronträger Gottes. Bei Johannes dagegen sind daraus vier verschiedene Gestalten geworden, die den Thron nicht tragen, sondern umgeben und vor ihm niederfallen (5,8; 19,4). Die Augen, die sich nach Ezechiel an den Rädern des Thronwagens befinden (Ez 1,18), hat Johannes den Wesen selbst gegeben. Die spätere christliche Tradition hat diese Wesen zu den vier Evangelien in Beziehung gesetzt; daraus entstanden die bekannten Evangelistensymbole. Diese Ausdeutung ist höchst sinnvoll. Denn auf ihre Art tun die vier Evangelien dasselbe, was die vier Wesen tun: Sie singen ununterbrochen das Lob dessen, dem alles Lob gebührt.

  Mit dem Lied der vier Lebewesen erreicht die Szene ihren Höhepunkt. Dieses Lied greift das Dreimal-Heilig auf, das nach Jes 6,3 die Seraphim singen und in das die christliche Gemeinde in jeder Meßfeier miteinstimmt. Im Judentum wie im Christentum gilt das Trishagion als der himmlische Lobpreis schlechthin.

  Zunächst könnte man nun meinen, hier würde ein statisches Bild von Gott und seiner Welt gezeichnet, eine Welt, in der sich alles monoton wiederholt. Aber der Gott, dem das "ruhelos" wiederholte Loblied gilt, wird in diesem Lied nicht nur als der gepriesen, der immer war und immer ist; er wird darin auch als "der Kommende" bezeichnet. Was dieses "Kommen" Gottes meint und wie es geschieht, das schildert der Seher im Hauptteil seines Buches, den Kapiteln 6-20. Es ist ein Kommen zum großen Gericht; in ihm wird Gott seine ewige Herrschaft gegen alle Widerstände auf Erden durchsetzen, damit endlich sein Wille geschieht "wie im Himmel, so auf Erden" (Mt 6,10). Die unerschütterliche Gewißheit dieser Verheißung hat das christliche Weltbild und Weltgefühl von Anfang an grundlegend geprägt. Aus dieser Gewißheit heraus können Christen alle Schrecken dieser Welt ertragen und einordnen; sie wissen: Am Ende wird das Recht triumphieren, auch wenn es jetzt unterdrückt wird. Am Ende wird die Wahrheit ans Licht kommen und kein Widerspruch mehr möglich sein; am Ende wird die Lüge als Lüge erscheinen und damit in ihrer Nichtigkeit entlarvt werden. Die Manifestation der Wahrheit wird Urteil, Strafe und Gnade in einem sein.[17]

  Allein diese Gewißheit des Sehers von Patmos kann die merkwürdige Fortsetzung jener Vision erklären, die wir bisher betrachtet haben. Auf das Dreimal-Heilig der vier Lebewesen folgt nämlich eine Szene, die ihren Ort eigentlich am Ende aller Schrecken hat, nach der Durchführung des großen Gerichts. Diese Szene schildert nämlich, was im Himmel geschehen wird, wenn all das, was der Seher in den Kapiteln 6‑20 seines Buches darstellt, vorbei und erledigt ist. Diese Schilderung nimmt also das Ende vorweg und ist somit der höchste Ausdruck für die Gewißheit der Überzeugung, daß schließlich "alles, alles gut" wird, wie es ganz am Ende von Joseph von Eichendorffs "Taugenichts" heißt:

  Und wenn die Lebewesen Ruhm, Ehre und Dank darbringen werden dem, der auf dem Thron sitzt, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dann werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und sie werden ihre Kränze niederwerfen vor dem Thron und sprechen: "Würdig bist du, unser Herr und Gott, Ruhm, Ehre und Macht anzunehmen; denn du hast alles geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden geschaffen." (4,9‑11)

  Stellvertretend für die ganze Erde unterwerfen sich die 24 Ältesten dem Allherrscher, mit einem Demutsakt, wie ihn etwa ein von Rom unterworfener König zu üben hatte; er mußte sein Diadem abnehmen und es vor dem Bild des Kaisers niederlegen.[18] Das Lied der Ältesten verkündet, daß Gott allein "Ruhm, Ehre und Macht" zustehen. Bevor also die eschatologische Machtergreifung Gottes geschildert wird, beschreibt der Seher vorwegnehmend ihr erfolgreiches Ziel. Am Ende wird Gott nicht nur alle Macht besitzen - das war schon immer so ‑, am Ende wird ihm diese Macht auch zuerkannt und gelassen werden, und dies nicht nur im Himmel.

2. Wer öffnet das Buch der Zukunft?

  Die Vision des Sehers, die wir bisher betrachtet haben, ist mit dem Lobgesang der 24 Ältesten nicht zu Ende; ihre Schilderung wird in Kapitel 5 fortgesetzt. Und jetzt gerät die Szene in Bewegung und wird in einer Weise dramatisch, wie das bisher nicht der Fall war. Denn jetzt geht es darum, daß die endzeitlichen Geschehnisse eingeleitet werden. Der Himmel nimmt die Sache sozusagen in die Hand und ergreift die Initiative. Wie geht das vor sich?

  Und ich sah auf der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und hinten beschrieben, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: "Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?" Und keiner im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde vermochte das Buch zu öffnen und einzusehen. Und ich weinte sehr, weil keiner für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und einzusehen. Da sagt einer der Ältesten zu mir: "Weine nicht! Siehe, überwunden hat der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, damit das Buch und seine sieben Siegel geöffnet werden können." (5,1-5)

  Was ist das für ein merkwürdiges Buch, "innen und hinten" beschrieben, siebenfach versiegelt und so schwer zu öffnen? Zunächst ist klar, daß bei diesem Bild an eine Buchrolle gedacht ist, nicht etwa an einen Kodex. Antike Buchrollen sind normalerweise nur auf der Innenseite beschrieben, weil man sie beim Lesen ja in beiden Händen halten muß und dabei die Schrift auf der Außenseite schnell verwischen würde. Unser Buch aber ist beidseitig beschrieben. Der Autor spielt deutlich auf eine Stelle beim Propheten Ezechiel an: Ez 2,10. Dort hat der Prophet ebenfalls eine Gottesvision, in der Gott ihm ein Buch reicht. Es ist eine beidseitig beschriebene Buchrolle, als deren Inhalt "Klagen, Seufzen und Wehgeschrei" angegeben werden. Die beidseitige Beschriftung soll wohl die überquellende Fülle andeuten.

  Himmlische Bücher begegnen in der apokalyptischen Literatur in drei Varianten. Sie können Sündenregister enthalten, die als Unterlagen beim Jüngsten Gericht dienen (z.B. Dan 7,13). Sie können aber auch Namensregister enthalten und die Namen derer verzeichnen, die gerettet werden sollen; so das "Buch des Lebens" in Dan 12,1. Das himmlische Buch an unserer Stelle gehört zu einer dritten Kategorie, den Büchern der Geschichte. In ihnen ist die Geschichte, insbesondere die künftige Geschichte der Menschheit im voraus aufgezeichnet. Das Geschehen der irdischen Geschichte rollt also buchstäblich ab, es wird gleichsam nach und nach vom himmlischen Buch der Geschichte abgerollt. Dieses Buch ist somit ein Symbol für die Vorsehung Gottes. Was geschieht, läuft nicht planlos ab, sondern nach einem vorbedachten Plan, den Gott selbst erstellt hat. In seiner Hand ist das Buch; in seiner Hand liegt die ganze Menschheitsgeschichte.

  Aber das geschichtliche Geschehen kann sich natürlich nur entrollen, wenn vorher "die Siegel" am Buch der Geschichte gelöst werden. Der Fortgang der Erzählung, das, was man die "Siegelvisionen" nennt, zeigt, wie sich der Seher die Sache vorstellt: Mit jedem gelösten Siegel kann ein Teil der in dem Buch beschriebenen Geschehnisse (bzw. Schrecknisse) wirklich eintreten. Wie das sozusagen "buchtechnisch" gehen soll, kümmert den Seher nicht. Man kann ein Buch ja eigentlich erst öffnen und lesen, wenn alle Siegel gelöst sind. Aber jedes Gleichnis hinkt, und so auch das vom Buch der Geschichte. Im übrigen hat die Darstellung des Apokalyptikers immer wieder etwas Traumhaftes; im Traum geschehen ja Dinge, die in Wirklichkeit ganz unmöglich sind, in der Traumwelt jedoch als selbstverständlich hingenommen werden.

  Die Tatsache, daß das Buch versiegelt ist - dieses Motiv hat kein Vorbild in der Motivgeschichte des himmlischen Buchs! ‑, führt zu einem Problem im Himmel, dem einzigen Problem, das es im Himmel der Apokalypse gibt: "Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?" Ein versiegeltes Schriftstück darf nur von dem geöffnet werden, für den es bestimmt ist. Wenn sich nun für dieses Schriftstück kein Würdiger findet, kann die Geschichte nicht weitergehen; sie steht still oder dreht sich im Kreis. Dann gibt es keine endzeitlichen Plagen, aber auch kein endzeitliches Jerusalem in einer neuen Schöpfung. Dann wird der Reiche auf ewig den Armen bedrücken und ausnützen, die Lüge wird ewig über die Wahrheit und das Unrecht ewig über das Recht siegen. Dann kommt Gottes Plan mit seiner Schöpfung nie zum Ziel. Und zunächst sieht es so aus, als könne tatsächlich niemand das Buch öffnen, "weder im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde". Der eingangs zitierte Günter Kunert war zu der schrecklichen Einsicht gelangt, daß von Menschen nichts mehr zu erwarten ist, "egal von woher", und daß die Hoffnung auf Außerirdische kindisch ist. Genau dieser Punkt der Geschichte und der Einsicht ist an unserer Stelle erreicht, nur eben 2000 Jahre früher. Da bricht der Seher in Tränen aus. Das ist die dramatischste Stelle im ganzen Buch der Geheimen Offenbarung. Aber der Seher wird getröstet; es findet sich doch ein Würdiger: "der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids". Wer ist das?

  Und ich sah: Inmitten des Throns und der vier Lebewesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm wie geschächtet, mit sieben Hörnern und sieben Augen; das sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde gesandt sind. Es kam und empfing aus der Rechten dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch genommen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm. Sie hatten jeder eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. Und sie singen ein neues Lied, das lautet: "Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen. Denn du bist geschächtet worden und hast für Gott durch dein Blut erkauft Menschen aus jedem Stamm und jeder Sprache, Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zur Königsherrschaft bestellt und zu Priestern, und sie werden herrschen auf Erden." (5,6-10)

  Der Würdige wird eingeführt als "der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids". Das sind zwei Titel für den Messias; der eine stammt aus Gen 49,9f, der andere aus Jes 11,1.10.[19] Dieser Würdige ist die merkwürdigste Gestalt der ganzen Apokalypse. Sie läßt sich tatsächlich weder den himmlischen noch den irdischen noch den unterirdischen Wesen zurechnen. Sie ist kein typischer Vertreter des himmlischen Hofstaates, kein mächtiges Engelwesen mit sechs Flügeln, sondern ein Wesen, das so gar nicht in einen himmlischen Hofstaat paßt: ein Lamm, das unübersehbar den Schächtschnitt am Hals trägt, "das dasteht wie geschächtet". Die herkömmliche Übersetzung "wie geschlachtet" scheint mir irreführend, weil wir bei "geschlachtet" immer auch an "zerlegt" denken. Diese Assoziation ist hier aber ganz fern zu halten. Trotz des Schächtschnitts steht das Lamm auf seinen Füßen und bewegt sich; es lebt mit einer tödlichen Wunde. Die sieben Hörner und sieben Augen weisen auf seine Macht hin. Ein mächtiges Lamm also, ein Lamm, das zugleich ein Löwe ist, "der Löwe aus dem Stamm Juda". Das ist zweifellos ein Paradox. Aber wir wissen, wer mit diesem Lamm gemeint ist, und es gibt keine Christologie, keine Charakteristik Christi, ohne Paradoxie.

  Dieses Lamm also empfängt von "dem, der auf dem Thron sitzt", das Buch und führt die Geschichte der Menschheit - mit all ihrem Grauen - zum Ziel, indem es Siegel um Siegel öffnet. Das war und ist die geschichtliche Aufgabe Christi nach dem letzten Buch der Heiligen Schrift. Allein Christus ist dieser Aufgabe gewachsen, da allein er die Prüfung dafür bestanden und den Preis bezahlt hat, der dafür zu zahlen war. Dieser Preis war das freiwillige Sterben des unschuldigen Lammes als Sühne für die Sünden aller Welt. Mit seinem Blut sind alle "erkauft", die sich ihm anschließen und bereit sind, dasselbe Schicksal auf sich zu nehmen. Sie sind die eigentlichen Herren der Welt, weil sie sich dem einzigen Herrn der Welt ganz unterworfen haben.

  Damit kann die Szene zu ihrem triumphalen Ende kommen, zu jenem Triumph, der vor und über allen Schrecknissen steht, die im weiteren Verlauf des Buches geschildert werden:

  Und ich sah, und ich hörte die Stimme vieler Engel rings um den Thron und die Lebewesen und die Ältesten, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend, und sie riefen mit lauter Stimme. "Würdig ist das geschächtete Lamm, zu nehmen Macht, Reichtum, Weisheit, Einfluß, Ehre, Ruhm und Lobpreis!" Und jedes Geschöpf, sei es im Himmel, auf der Erde, unter der Erde oder auf dem Meer, und alles in ihnen hörte ich rufen: "Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lobpreis, Ehre, Ruhm und Gewalt in alle Ewigkeit!" Und die vier Lebewesen sprachen: "Amen!" Und die Ältesten fielen nieder und beteten an. (5,11-14)

3. Die Manifestation der Wahrheit

  Die Anerkennung der Macht Gottes und des Lammes durch alle Geschöpfe ist natürlich wieder eine Vorwegnahme des Endes; sie wird das Ergebnis der Schrecknisse sein, durch die die Menschheit hindurch muß. Die symbolische Schilderung dieser Schrecknisse bildet den Hauptteil des letzten biblischen Buches. In immer neuen Variationen werden Katastrophen geschildert, die, bei aller phantastischen Einkleidung, auch heute noch realistisch wirken; ja, manche von ihnen erscheinen heute realistischer als vor 2000 Jahren. Ich nenne nur das Bitterwerden des Wassers durch einen Stern namens "Wermut", der aus dem Himmel fällt (Offb 8,11). Daß der Mensch selbst diesen wasserverseuchenden "Wermut" produzieren würde, damit hat in der Antike niemand gerechnet.

  Das Öffnen der ersten vier Siegel des Buchs der Geschichte ruft die vier apokalyptischen Reiter hervor, die Krieg und Inflation mit sich bringen (6,1-8). Die Inflationsrate wird genau angegeben: "Die Choinix Weizen ein Denar, drei Choinikes Gerste ein Denar" (6,6). Eine Choinix war die Tagesration für einen Mann und entspricht in der Menge etwa einem Liter. In normalen Zeiten bekam man im antiken Palästina für einen Denar 13 Liter Weizen. Der dritte apokalyptische Reiter steht also für eine Erhöhung des Brotpreises um das 13fache.

  Die Eröffnung des fünften Siegels läßt die Seelen der Märtyrer erscheinen, die rufen: "Wie lange ist es noch, Herr, Heiliger und Wahrhaftiger, daß du nicht richtest und unser Blut rächst an den Bewohnern der Erde?" (6,10) ‘Nur noch kurze Zeit’, erhalten sie zur Antwort. Dann werden Geschehnisse geschildert, auf die eigentlich nichts mehr folgen kann:

  Und ich sah, als es (das Lamm) das sechste Siegel öffnete, da erfolgte ein gewaltiges Erdbeben; die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, der ganze Mond wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen zur Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von einem starken Wind geschüttelt wird; der Himmel löste sich wie ein Buch, das zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden von ihren Plätzen gerückt. (6,12-14)

  Bereits hier, im 6. Kapitel, wird also das Weltende geschildert. Was in dem Buch noch folgt bis zur Schilderung der neuen Schöpfung sind nur noch Variationen über das Thema, das im 6. Kapitel eingeführt wird. Wenn derartiges geschieht, sind die ehernen Zungen der Uhr im Turm der Zeit zum letztenmal erklungen und die Stunde schlägt, auf die Eichendorffs Gedicht "Weltlauf" hinweist: die Stunde, da sich der Herr auf diesen Turm stellt, um zu richten nach dem Maß der Ewigkeit. Dann werden alle Menschen mit Schrecken gewahr, was es geschlagen hat. Und der Seher von Patmos weiß ganz genau, wer dann den größten Schrecken bekommt und das größte Klagegeschrei erheben wird: die Könige und Großen dieser Welt, die Reichen und Mächtigen in Politik und Wirtschaft (6,15; 18,9.11). Ihr Klagelied nach dem Fall der großen Stadt, der "Hure Babylon", zeichnet der Prophet im 18. Kapitel seines Werkes vorausschauend auf; es ist eine Satire auf den Großhandel mit Sklaven und Luxusgütern, die in der gesamten antiken Literatur einzigartig dasteht, wie letztlich das ganze Werk.

  Das endgültige große Weltgericht, das wir heute das "Jüngste" nennen, beschreibt der Seher am Ende des 20. Kapitels. Er kann sich jetzt kurz fassen, da er alles Wesentliche längst gesagt hat:

  Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen Himmel und Erde, und es fand sich keine Stätte für sie. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, wie sie vor dem Thron standen, und Bücher wurden geöffnet. Und ein anderes Buch wurde geöffnet, das Buch des Lebens. Die Toten wurden gerichtet aufgrund des in den Büchern Verzeichneten, nach ihren Werken. Das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren, und der Tod und die Unterwelt gaben ihre Toten heraus, und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. Dann wurden der Tod und die Unterwelt in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee. Auch wer nicht verzeichnet war im Buch des Lebens, wurde in den Feuersee geworfen. (20,11-15)

  Das Buch der Geschichte ist entrollt bis zum Schlußkapitel. Jetzt zählen nur noch "das Buch des Lebens" und die Bücher mit den Sündenregistern. Niemand kann sich drücken; die Toten werden zusammengeholt, die Großen wie die Kleinen treten vor den großen weißen Thron des Höchsten, dessen Blick kein Wesen standzuhalten vermag. Wie das Gericht im einzelnen vor sich geht, wird nicht geschildert. Dem Seher genügt es, die Sache angedeutet zu haben; er erwähnt noch kurz, daß schließlich der Tod, das große Trauma des irdischen Daseins, vernichtet wird im "zweiten Tod", zusammen mit allem anderen, was Gottes gutem Willen noch entgegensteht. Die beiden letzten Kapitel des Buches bilden dann den krönenden Schluß seiner Schau des Kommenden.

4. Schluß

  Meinen Schlußgedanken möchte ich einleiten mit ein paar Zitaten, die ich einem Propheten des 20. Jahrhunderts entlehne: Reinhold Schneider. Er hat den Text zu einem kleinen Büchlein mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts in der Kunst geschrieben. Darin heißt es:

  Die grandiose Bilderschrift der Apokalypse, an der die Jahrhunderte und Jahrtausende rätselten, wird von Menschen nicht ausgeschöpft werden; die eigentliche Deutung, Entsiegelung wird das Geschehen sein: Aufhebung der Zeit, Ende der Geschichte, Ereignisse himmlischer Barmherzigkeit, die nicht urteilen wird wie die Gerichtshöfe der Menschen. ...

  Abendländisches Geschichtsbewußtsein ist in einem wesentlichen Grade ein apokalyptisches: es ist gegründet im Advent, in der Erwartung des Richters, im Wissen, daß in einem Augenblick die Szene zum Tribunal werden kann. ... Es ist alles nicht ganz wirklich, nicht ganz wahr, ehe das Ende nicht da ist; Geschichte ist Traum, die Rollen sind nicht nach dem Werte, dem eigentlichen Sein verteilt; einmal wird der Bettler aufsteigen, der Reiche stürzen; im Traume haben alle gehandelt: Erwachen ist die endgültige Manifestation der Wahrheit. ...

  Vielleicht ist die Botschaft vom Gericht, ist seine Bildersprache, der das Wort keineswegs zu folgen vermag, der wichtigste Anruf an die Gegenwart: wir sind so vermessen, zu glauben, daß wir, wenn das uns einwohnende Gefälle zur Vernichtung uns treibt, die Erde werden aufheben können samt allen ihren Bewohnern. Nein! Die Möglichkeiten der Sünde sind fast unbegrenzt - innerhalb der Wahrheit, daß der Richter allein diese unsere Welt beenden wird, nachdem seine Boten, die Vergeuder der Zornesschalen, und  die dem Martyrium geweihten letzten Zeugen ihm vorausgegangen sind. Aber das Letzte, was Erde und Zeit angeht, wird ausstrahlen von Gott, und keine Hybris ist mächtig genug, das Drama der Geschichte und Schöpfung abzuschließen, nicht wegen des Menschen Unvermögen: sondern weil Gott in den Zeitenlauf eingetreten ist; weil Er die erste Person der Geschichte ist und sie in eine Dimension verpflanzt hat, die unserem Vermögen nicht mehr untersteht. Christus ist ja der Heimlich-Gegenwärtige, der trägt, was wir zu tragen glauben. Wer aber sieht den leeren Thron?[20]

  Mit dem leeren Thron spielt Reinhold Schneider auf den leeren Richterthron Gottes an, wie er auf einem Mosaik in Ravenna dargestellt ist; das Mosaik entstand im 5. Jahrhundert. Dieser leere Thron "steht inmitten jeglicher Zeit, immer bereit, den Richter aufzunehmen".[21] Aber keine Zeit der letzten zwei Jahrtausende hat diesen Thron so entschlossen übersehen und aus den Augen gerückt wie die unsere. Ja, man versucht sogar die Existenz dieses Thrones und dessen, was er symbolisiert, zu leugnen. Vielleicht hatten die Menschen des Mittelalters eine übertriebene Angst vor dem Gericht Gottes, während wir heute allzu geneigt sind, diese Angst für gegenstandslos zu halten. Aber was haben wir damit gewonnen? Je mehr unsere Angst vor Gottes Gericht abnimmt, desto größer wird unsere Angst vor dem Gericht der Menschen. Und diese neue Angst ist um vieles schrecklicher und verzweifelter als die frühere. Schon David erklärt im Alten Testament, als er vor die Alternative gestellt wird, sich den Schrecken auszusetzen, die Gott schickt, oder den Schrecken, die ihm Menschen antun: "Ich habe große Angst. Aber wir wollen lieber in die Hände des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. In die Hände der Menschen dagegen will ich nicht fallen!" (2 Sam 24,14) So ist es auch tröstlicher, auf den leeren Thron Gottes zu schauen und das Gericht ihm anheimzustellen als sich ganz den Menschen ausgeliefert zu wissen. Nur die Hoffnung auf das Gericht Gottes gibt eine begründete Hoffnung auf das, was die letzten beiden Kapitel im Buch des Sehers von Patmos an den Himmel unserer Phantasie malen.

 

 

 

 

 

 



[1] 1 Hen 83,3-6. Übersetzung nach S. Uhlig, Das Äthiopische Henochbuch (JSHRZ V,6), Gütersloh 1984.

[2] H. Gunkel, das 4. Buch Esra, in: E. Kautzsch (Hg.), Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments II, Tübingen 1900, 348.

[3] Vgl. F. Dexinger, Henochs Zehnwochenapokalypse und offene Probleme der Apokalyptikforschung (StPB 29), Leiden 1977. Der Text ebd. 178f. Ich übernehme ihn mit leichten stilistischen Korrekturen.

[4] Auch in der Tierallegorie aus dem Buch der Traumvisionen ist Mose kein weißer Bulle wie Adam, Noach, Abraham und Isaak, ja nicht einmal ein weißes Schaf wie Jakob, sondern nur "ein Schaf, das vor den Wölfen gerettet worden war" (1 Hen 89,16).

[5] Vgl. Wolfgang Bauer, China und die Hoffnung auf Glück. Paradiese, Utopien, Idealvorstellungen in der Geistesgeschichte Chinas, München 1974 (11971).

[6] Vgl. A. Feldtkeller, Gibt es eine Periodisierung der Zeit im Islam? EvTheol 59 (1999) 426-435.

[7] G. Grass, Die Rättin, München 31999, 181-183. Der Roman erschien erstmals 1986.

[8] Vgl. K.-J. Kuschel, Der Alptraum vom Ende der Menschheit. Auseinandersetzung mit der Apokalypse im Werk von Günter Grass: Conc. 34 (1998) 361-369; Ders., Vor uns die Sintflut? Spuren der Apokalypse in der Gegenwartsliteratur, in: H.-J. Klauck (Hg.), Weltgericht und Weltvollendung. Zukunftsbilder im Neuen Testament (QD 150), Freiburg i.B. 1994, 232-260, hier 249f; E. Garhammer, "Eine Messe ohne Credo". Günter Grass und der Katholizismus: Anzeiger für die Seelsorge 2/2000, 78-81.

[9] W. Shakespeare, Macbeth 5. Akt, 5. Szene VV 26-28.

[10] Zum Topos "Welttheater" und seiner Geschichte in der europäischen Literatur vgl. H.U. von Balthasar, Theodramatik I. Prolegomena, Einsiedeln 1973, 121-238.

[11] Pedro Calderón de la Barca, El gran teatro del mundo. Das große Welttheater. Spanisch/deutsch übersetzt und herausgegeben von G. Poppenberg (RU 8482), Stuttgart 1988. Das Wort "representar/representación" gebe ich - im Unterschied zu Poppenburg - durchweg mit "Darstellung", "darstellen" wieder.

[12] "... que en acto tan singular/ aquello es representar,/ aunque piense que es vivir" (VV. 326-328).

[13] G. Kunert, Zur Apokalypse. Eine Strafpredigt: Neue Rundschau 101 (1990) 19-27, hier 19f.

[14] Die Übersetzung des nikan in diesen Sprüchen mit "überwinden" ist traditionell; sie findet sich bei Luther, Allioli und in der Zürcher Bibel. Die Einheitsübersetzung ist ohne Not von dieser Tradition abgewichen.

[15] Vgl. LXX Dan 2,28; Offb 1,1; Mt 24,6.

[16] Vgl. M. Reiser, Art. Notwendigkeit II. LThK3 7 (1998) 932f.

[17] Vgl. Reinhold Schneider, Das Weltgericht (Der Bilderkreis 22), Freiburg i.B. 1958, 5f. Auf dieses Büchlein sei nachdrücklich hingewiesen.

[18] Vgl. Tac. ann. 15,29.

[19] Vgl. Jer 23,5; 33,15.

[20] R. Schneider, Das Weltgericht (s. Anm. 5) 3.8.13f.

[21] Ebd. 12.


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